Werner

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18. April 2020 – 27. April

Immer der Versuch aus Zahlen etwas zu erkennen, es sind einfach noch zu wenige. (Die Grafik wird täglich aktualisiert.) Und was auffällt: Die Ämter haben keinen Krisenmodus, sondern mach offensichtlich zum Wochenende pünktlich Feierabend. (Wollten die sicherlich nicht mitteilen.)

Nach der Mittagsruhe weiß ich nicht welcher Wochentag es ist, es ist trotz offener Balkontür zu ruhig. Ein Blick auf die Straße hilft nicht weiter, die meisten Autos stehen seit Tagen so. Haben wir schon Montag oder erst Sonntag. Die Markierung auf dem Kalender stelle ich nicht jeden morgen weiter, wozu auch, der Computer fragt das regelmäßig aus dem Internet ab und das stimmt, wenn nicht gerade doppelt auf Sommer- oder Winterzeit umgestellt wird. Bei meinem Kalender ist der Abgleich eher selten der Fall. Das war alles schon weiter als es wirklich ist.

Vor einigen Tagen hörte ich die Prognose „nach Corona wird nichts mehr wie vorher sein“. Das klingt zunächst ziemlich orakelhaft, also interpretationsbedürftig. Warum das so kommen sollte wurde nicht dargelegt. Tage später folgte eine Hypothese vom Untergang des römischen Reiches. Durch die Pest im Mittelalter ist das Wissen der Römer schneller gestorben als es weitergegeben werden konnte. Man kann das Gesellschaftswissen mit einem Fischernetz vergleichen. Fallen in einem Netz mehrere Konten aus, fehlen sie, es ist ab einer gewissen Anzahl der Lücken im Netz nicht mehr zum Fischen geeignet.

Nur die Sterblichkeitsrate für ein gravierenden Einbruch in die Wissensstruktur ist nicht ersichtlich, deshalb bleiben die Priester, im aktuellen Fall Wissenschaftler, eben nur Mittler der Gottesbotschaften, die so undeutlich sprechen.

19. April

Der Jahrtausendplan von Ben Bova. Uijuijuijui, der Niedergang der Wissenschaften ist nicht übersehbar. Die Anzahl der Fake-news und Verschwörungstheorien ist immens am steigen. Im Roman hat das ein Wissenschaftler erkannt und festgestellt. es bedarf tausend Jahre und einer Vorbereitung das Wissen zu reaktivieren. Wie das in der heutigen Zeit zu bewerkstelligen ist, weiß offenbar noch keiner. Spannend dürfte es jdenfalls werden.

20. April

Wieder vor dem Aufstehen geträumt. Ich soll kurz vor Feierabend noch eine Beleuchtung in einem Labor instandsetzen. Es handelt sich um eine Pendelleuchte mit Glühkörper, das Labor befindet sich in einem Fabrikgebäude im vierten Stock im dritten Längstriegel kurz vor dem ersten Querriegel. Ich komme dort mit einer Leiter an und nehme die Glaskugel ab, wechsel die Glühbirne und das Dingen flackert. Die Lampe ist zu demontieren, doch an den Anschluß erreiche ich nicht, ist – auch wenn ich auf den obersten Sprossen stehe – zu hoch. Das ist es dann mit pünktlich Feierabend machen. Durch das Gebäude die Acht-Sprossen-Leiter gegen die Zehner wechseln. Und freilich der nächste Fahrstuhlführer hat Schichtende und somit ist der Fahrstuhl außer Betrieb. Das gesamte Werk hatte einen unterschiedlichen Arbeitsbeginn und -ende, das sollte den Verkehrsfluß im Werk und auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln entzerren. Im zweiten Gebäuderiegel, was eigentlich der erste war, weil die Zählung mit Null anfing, war ein Lastenaufzug der etwas länger betrieben wurde. Das bedeutet entweder die Treppe in das nächste Obergeschoß zu nehmen oder auf der Höhe des ersten Flures zum ersten Querriegel zu gehen. Erschwerdend kommt hinzu: die Querriegel mußten durch eine Tür verlassen werden, fünf Stufen herunter auf die Höhe des Hofverkehrs über den Weg, fünf Stufen wieder hoch, Tür öffnen – diesmal nach außen, was bedeutet die Leiter auf der Schulter steil aufrichten, damit man an den Türgriff kam, Tür mit Schwung aufziehen, einen Schritt zurück machen, damit die Leiter unter dem Türholm durchgedrückt werden konnte, dann schnell hindurch. Hinzu kommt das Gewicht der Leiter, die nicht nur durch die zwei Sprossen etwas schwerer war, sondern aus anderem Holz bestand, welches wesentlich schwerer war. Im Regelfall wurde bei mehr als einer Treppe für den Weg durch das Gebäude mit den Hofüberquerungen entschieden. Die Möglichkeit das Gebäude über die Höfe zu verlassen und außerhalb die Stufen und Türen zu umgehen wurde meistens nicht in Betracht gezogen, weil gerade jetzt ein Hänger an einer Rampe im Weg stand und einen weiteren Bogen erforderte. Tagsüber kam dann noch ein Gabelstapler oder ein Pritschenwagen hinzu, es brachte also zeitlich keinerlei Vorteil.
Im Labor die Leiter hinauf und die Lampe abgeklemmt, dabei etwas an der Klemme bewegt und ein Draht sieht dabei labbrig aus. Toll, da wo das Kabel unter dem Deckenputz verschwindet ist ein Draht gebrochen. Keiner weiß warum und weshalb, das spielt jedoch keine Rolle. Was nun? Niemand da, den man fragen kann. Die Werkstatt weitgehend verwaist, die Starkstromkollegen von der Spätschicht waren noch da, aber nicht zuständig und der Vorarbeiter, dem das Problem vorgetragen werden konnte, war schon lange auf dem Heimweg. Das weitere Vorgehen mußte selbst entschieden werden. Den Auftrag abzubrechen und unerledigt zurück zu geben, kommt nur in Frage, wenn es wirklich nicht anders geht. Also durch das Werk in die Werkstatt, drei Meter Kabel gegriffen und ohne Fahrstuhl zurück in das Labor. Ein mehr oder weniger elegantes Provisorium von der einen zur anderen Deckenlampe gespannt und angeschlossen. Die Leiter zum Abstellort mit einer Ehrenrunde durch das Gebäude über den nullten Querriegel, der rechts und links Büros auf einem Flur hatte und den Flur entlang zum vierten Querriegel, dann das Teppenhaus abwärts zum ersten Flur und dort an der linken Abstellecke wurde die Leiter mit einer Kette an Heizungs- und Wasserrohren angeschlossen.

Ein Provisorium hält lange. Damals nicht, aber eine ordentliche Wiederherstellung wurde am nächsten Tag bei den Kollegen von der Installation in Auftrag gegeben.

Die Geschichte ist nicht erfunden, sondern vor vierzig Jahren passiert. Warum mein Gedächtnis sie jetzt nach oben spült, ist eine offene Frage. Unbeschäftiger Rentner kann es nicht sein, da eine Geschirrspülmaschine bei mir im Flur steht und auf seinen Platz wartet. Es bedarf jedoch einen Wasseranschluß und eine Abwasserführung. Es paßt ganz einfach nicht und ist mir zu aufwendig. Um es einigermaßen vernüftig zu bewerkstelligen ist eine Zwischenwand herzustellen, hinter der das Geraffel versteckt wird. Dazu muß in der Werkzeit alles, was da steht (Herd Spüle, Kühlschrank) aus dem Weg. Und wo kann das sein? Nur im Wohnzimmer, dort jedoch nicht nutzbar und im Weg. Brauchen wir überhaupt einen Geschittspüler, es ist ja bis jetzt auch ohne gegangen.

21. April

Der Ölpreis ist ins Negative gefallen. Man bekommt Geld, wenn man Rohöl abnimmt. Da könnte Trump doch Texas wieder aufpumpen und sogar seine Staatsfinanzen aufbessern. Das kann nicht passieren, da der negative Ölpreis auf eine begrenzte Menge und zu bestimmten Terminen zutrifft. Es ist ein Ergebnis der Spekulation und die ist sehr dynamisch. Dynamisch kann auch die Weltwirtschaft reagieren und die Weltwirtschaftskrise aus dem letzten Jahrhundert ist noch nicht in der Geschichte untergegangen. Die Probleme und Auswirkungen von Corona sind noch nicht absehbar, aber keine Weltwirtschaftskrise kann ich mir als Folge davon nicht vorstellen. Muß man halt abwarten.

Auf arte kam heute ein Sience-Fiction von gestern. Überwacht: 7 Milliarden im Visier. Gesichtserkennung und computerisierte Auswertung in einer chinesischen Provinz. Das war allerdings der Höhepunkt und eine Aussicht auf eine mögliche Zukunft. Der Weg dahin ist weltweit gegeben, aus Sicherheitsgründen natürlich. Da wäre ein Vorreiter Israel, rundum Feinde. Die französische Stadt Nizza, hat ein Forschungsprojekt, das Ziel ist die Verhinderung von terroristischen Anschlägen.

Es folgte eine Sendung über künstliche Intelligenz und deren weitere Aussicht, iHuman. Die Weiterentwicklung ist in Aussicht nach „Terminator“, einer künstlichen Intelligenz die eigene Interessen entwickelte.

22. April

Heute habe ich der Vertragsänderung der ING-Bank (vormals ING-DIBA) widersprochen, die Kontoführungsgebühren einführen will. Wie kaum anders zu erwarten, drohen sie jetzt mit einer Kündigung der Konten.

Sie schreiben: „müssen wir Ihr Konto (..) mit einer Frist von 2 Monaten kündigen. (…) Bitte beachten Sie: Eine Rücknahme der Kündigung und eine Verlängerung der Frist ist nicht möglich.“

Tja, wenn sie das müssen, dann sollen sie das tun. Ist dann ein Ergebnis ihrer Geschäftspolitik und nicht in der Entscheidung der Kunden begründet. Da will wohl eine Führungskraft die Entwicklung der Konten für den Geschäftsbericht zu seiner Exculpation gestalten. Nicht mit mir.

Lohntütenball

23. April

Den Lohntütenball wollte ich schon in der Vergangenheit hinzufügen.
Also icke wurde in das Arbeitsleben geworfen, damals. Als Lehrling in einem Handwerksberuf. Die Gesellen bekamen jede Woche am Freitag (ach, die haben Samstags nicht mehr gearbeitet!) eine Lohntüte mit einem Abschlag auf ihren Monatslohn, der erst nach Monatsende genau berechnet wurde. Die Lohnabrechnung wurde später schleichend auf Kontoüberweisung geändert.

Da am Freitag die Arbeitswoche beendet wurde, ging man noch auf ein Bier in die Kneipe um die Ecke. Die Sparkasse an vorderster Front (hatte wohl etwas mit Marktaufteilung zwischen Banken und Sparkassen zu tun) trommelte um Kunden für Girokonten aus der Gruppe von Lohnabhängigen, die kostenlos – und zwar unbeschränkt – geführt werden sollten, denn diese sparten oftmals noch im Sparstrumpf, wo doch ein Sparbuch im Angebot war und jede Einlage den Handlungsspielraum der Sparkasse vielfach erweiterte (Kreditschöpfung durch erhöhte Kundeneinlagen).

So wurde in relativ kurzer Zeit der wöchentliche Lohnabschlag abgeschafft. Nebeneffekt war der Rückgang des Lohntütenballs jeden Freitag, bis er gänzlich in Vergessenheit fiel. Das hatte auch den Kollateralschaden des Aussterbens der „kleinen Kneipe in unserer Straße“ zu Folge. Der Zirkus mit seiner Dynamik ist ja nicht zu Ende, jetzt geht es um die Abschaffung des Bargelds. Wo sind die Kollateralschäden und was sind da noch für versteckte Möglichkeiten?

Det war heute auch wieder ein Tag, Mittags schau ich vom Balkon, weil einen Tritt vor die Tür muß sein, kommt da M mit Mundschutz die Straße lang. Jooh, der Mundschutz hatte dann eine etwas andere Erklärung. Er war auf dem Weg zum Zahnarzt, gell, weil im Frontzahnbereich eine Brücke zerfallen ist, klaffte eine doppelte mehr oder minder große Lücke. Da kann man kaum selber in den Spiegel sehen. Jedenfalls kann er jetzt besser beißen, sagt er. Da mußte ich etwas bremsen und drohte: das verändert die Kiefergeometrie schnell.
Der Junge ist ja auch sparsam und seine Möglichkeiten Internetbanking zu machen, ist durch die Schließung der öffentlichen Bibliotheken weggefallen. Bei mir gibt es Zugang zu der großen weiten Welt. Nun ja, er braucht eine Bankbescheinigung über die Zinseinkünfte letztes Jahr, da er den als Anlage für den Jahreslohnsteuerausgleich braucht. Jahreslohnsteuerausgleich ist immer sinnvoll, wenn jemand nicht das Jahr über in Lohn und Brot gestanden hat. Allerdings, wenn man im Zeitpunkt der Zahlung ein Kunde des JobCenters ist, dann fressen die Schmarotzer das sauer verdiente. Darf also nicht passieren und sollte vorsorglich verhindert werden.

Mittags ruft L an, immer noch die alte Geschichte nach der er die Polizei dahin erziehen will, ihn zumindest anzuhören. Das wollen die auf keinen Fall. Wo kommen wir dahin, wenn jeder Bürger bestimmen kann, wie die Polizei arbeitet, das greift doch jeden Innenminister wegen Fehlleistung an. Der stellt sich immer vor die Polizisten, da wird zuerst den Polizisten gedankt. Die wissen nicht, wer ihr Auftraggeber ist, dem wird nicht gedankt, eher diskreditiert.
Da sprachen wir schon drüber, jetzt kam eine Fristsetzung die Begründung nachzureichen. Er hat da schon einen Entwurf, den er mir gleich zusenden will. Die mail kam dann auch, mir fehlte die Zeit das Konvolut zu Gemüte zu ziehen, weil schon nach den ersten Zeilen klar war, das ist keine Begründung für eine Beschwerde an die Staatsanwaltschaft. Da kam M gerade recht, um sich nicht über das wiederholte „die sind nicht fair“ zu ärgern.

Als L dann aufschlug hatte ich das Werk ausgedruckt auf vier Seiten vorliegen und etliches angekringelt, Tippfehler und Unverständliches. Er fragt gleich, ob ich seinen Text gelesen habe und was ich dazu sage. Er bekommt, was erwarten konnte. „Hast du wieder stundenlang gejault. Das ist ein juristisches Verfahren, die wollen nicht mit dir reden. ‚Die Polizei dein Freund und Helfer‘, da hast du keinen Anspruch. Das kannst du komplett weglassen“.

„Aber das stimmt doch nicht, was die da schreiben“.

24. April

25. April

Ableben prolongiert

Notebook hat einen Fehler in der Anbindung ans Netzwerk und kostet mir den letzten Nerv, da ich auf dem Bildschirm zu wenig sehe und die Maussteuerung über einen in der Tastatur versenkten Joystick bedienen muß. Hinzu kommt, die ewige Sucherei im Ubuntu Weaver.

Ein roter Joystick als Maussteuerung.

So habe ich unnötigerweise Open-Office per Terminaleingabe installiert. Nachdem ich das zuvor installierte und empfohlene LibreOffice deinstalliert habe, weil das Word-dokumente verweigert hat. Anstatt nach Lösungen zu suchen, habe ich bekannte Lösungen gewählt.

26. April

Zeit zum Aufarbeiten genutzt, da nach einem Ausflug in Facebook, Musik angestoßen wurde, halt viel weniger geschafft.
Lampe blieb liegen, L’s Aktionismus ist auch nur zur Hälfte gediehen.
Ich lasse es für heute.

27. April

Mit K eine Stunde vierzig Minuten telefoniert

10. April – 17. April 2020

Donnerstag 10. April

Ich habe den Roman Hinterwald bekommen und fange an zu lesen. Der Klappentext „Der Roman ist spannend und gut geschrieben, das Lokalkolorit ist stimmig und den Titel Hinterwald finden wir grandios. Andererseits polarisiert der Text stark und wir sehen es vertrieblich als sehr problematisch an, in Bayern mit einem Krimi herauszukommen, in dem die örtliche Bevölkerung derart schlecht wegkommt. ‚Aus dem Ablehnungschreiben eines Verlages'“. Allerdings das erste Kapitel fängt an: „Hier riecht es nach Tod. Überall. Ich bekomme den Gestank nicht mehr aus der Nase.“ Wie der Tod riecht, weiß ich nicht und Gestank ist ein Oberbegriff der nicht näher definierten üblen Gerüche. Da ich vor Jahren eine Vorlesung von Professor Krauland „Gerichtsmedizin mit anschließender Demonstration im Seziersaal“ besucht habe, war ich auch des öfteren in der Pathologie. Da war kein spezifischer Geruch von Tod.

Nun gut, wir werden sehen, wie das Mittenwaldepos auf vierhundert Seiten weiter- und ausgeht.

Heute ist angrillen angesagt. Mein (Elektro)grill auf den Balkon geschleppt und das Verlängerunsgkabel gesucht. Wegen der seit Tagen fehlenden Bewegung gab es nur zwei Bratwürstchen mit Zaziki und gewürfelten Tomaten (aus der Dose). Ja, nur. Vorher ein Stück Bienenstich. Man kann den Nachmittagskaffee nicht ausfallen lassen. Quarantäneberater behaupten der Tag muß Struktur haben.

Was rieche ich während des Schreibens. Den Tod? Nein Spiritus auf Holzkohle, Nachbars ist wieder vor dem Haus und kokelt.

Sonntag 12. April

Neue Informationsquelle gefunden, Monitoring freier Krankenhausbetten in Berlin. Auch wird die Anzahl der künstlich beatmeten Klienten angezeigt. Sechsundsiebzig Prozent der Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Das ist sehr viel und absolut keine guten Aussichten.

Auf Facebook meldet „Frag den Staat“ die Veröffentlichung des Strategiepapiers der Regierung zur Bekämpfung des Coronavirusses. Da steht auch die konkrete Ursache des Todes drin, mit der Wahrheit wollten die zu Beginn der Pandemie nicht herausrücken und faselten nur von Gefährdeten. Nur keine Panik auslösen, denn dann zahlen die Menschen nichts mehr. Wenn schon sterben, dann auf einem großen Fest. Das paßt nicht zu „im Himmel wird alles besser“, woran viele den Glauben verloren haben. Die großen Feste wurden dann alle verboten. Es gab die Aussicht auf viel Geld, damit Vermieter ihr Geschäft weiter ungestört betreiben können. Wenn schon Pandemie, dann auf gar keinen Fall mit Lasten für die Umverteilung von Kapital. Obwohl die Mehrheit der Vermieter Kapitalgesllschaften sind, wurde auch ein Hausbesitzer gefunden, der seine Immobilie auf Kante finanziert hatte. Im Nu hatten im ganzen Land alle Eigentumswohnungen und würden Hunger leiden, wenn sich etwas an deren Mieteinkommen ändern würde. Das wird doch keiner wollen. Da hungern wir lieber als die Rendite der „Deutsche Wohnen“ zu schmälern. Was empfiehlt uns der Konzern? „Wir empfehlen Ihnen deshalb jetzt zu zahlen, was Ihnen aktuell möglich ist.“ Das ist Sicherheit für deren Dividende und die ist wichtiger als das (wirtschaftliche) Überleben eines Mieters. Sie leiden ohnehin schon ganz fürchterlich unter dem Mietendeckel. Habt Erbarmen.

Montag 13. April

Der Himmel ist bedeckt und die Temperatur will nicht ansteigen, deutlich unter angenehm. In der Nacht hat es geregnet und zwar im Schlafzimmer, welches auf der Nordseite ist, waren die Tropfen zu hören, die auf dem äußeren Fensterbrett im Rythmus der Windböen trommelten. Da habe ich keine Lust aufzustehen. Dennoch war ich gefühlt früh auf, sah auf die Uhr, machte mein Frühstück. Das war es dann auch fast schon, ich beschloß den Mittagsschlaf vorzuziehen.

Zu Mittag war das erledigt und eigentlich wollte ich dem Hinterwald weiterlesen, war gerade spannend, wie auf der Hauptversammlung des Heimatvereins eine Gruppe Gäste mit Protestplakaten erschienen ist. Habe jedoch nach einem Rundgang auf den Balkon und die Küche mit der Feststellung draußen ist auch kaum ein Mensch zu sehen dagegen entschieden. Selbst bei Facebook kommt mehr Werbung als Bewegung. Da lege ich mich eben noch einmal hin.

Mittenwald – eine Heimat

Nach weiteren drei Stunden – ungefähr – muß ich mich etwas beeilen, sonst ist Kuchenzeit vorbei und später schmeckt der Bienenstich unpassend. Hinzu muß ich Claudia zum Fünfzigsten gratulieren. Ans Telefon ist in Baden-Würtemberg niemand gegangen, die müssen noch besseres Wetter haben. Macht nichts, der Anrufbeantworter ist besser als ein Butler, denn er vergißt nichts – auch meine fröhliche Botschaft „jetzt bist du alt“ nicht. Alter hat sie selber zum Thema gemacht, vor Jahr und Tag sprach sie von ihrer Vergangenheit „da war sie noch jung und schön“ ohne genauer darauf einzugehen. So etwas höre ich.

Vor noch ein paar Tagen mehr hat ein Schulfreund von mir auch gesagt: „wir hatten eine schöne Jugend“ und abwehrend habe ich gedacht „meine ist noch nicht vorbei“ und ich hoffe es bleibt dabei. Ich bin neugierig und den Kipppunkt des Klimas will ich noch erleben. Dazwischen möchte ich noch so einiges sehen und hören.

Ich denke da weniger an das Lesen von Svenduras Motorradtouren oder von leckerem Lammbraten, was ich heute getan habe.

Lammkeule aus dem Ofen.

Lammkeule habe ich zuletzt bei Dimi und seiner Familie genossen, Lammrücken davor mit Beate und Uwe von einem Tier, wo ich weiß wie es gelebt und aufgewachsen war. Unter persönlicher Fürsorge von Armin. So ein Braten ist nichts für mich alleine in Quarantäne. Wobei ich den ganzen Braten meine und nicht eine Kantinenportion.

Appetit auf Braten, Sauerbraten, Krustenbraten oder Kassler hätt‘ ich schon, was gibt es? Bratkartoffel mit Schweinskopfsülze und grünen Salat.

Dienstag 14. April

Heute bei Motorrad-Kultur-Reisen vorbei geschaut. Das sind ein paar österreichische Planungsjunkies unterwegs auf Honda-Motorrädern. Die letzte Tour bei denen war im vergangenen Jahr und schon lange in die Analen eingegangen, das heißt aufgeschrieben und veröffentlicht. Die Planung und sorgfältige Buchung der diesjährigen Erlebnisse in Frankreich bedurfte einer Revision. Nicht so heftig, es bleibt fast alles wie in den letzten Monaten geplant nur in den September verschoben. Die haben auf den Kalender gesehen und danach beschlossen, weil: Motorradfahren ist bei wärmeren Temperaturen angenehmer. Sie waren in den letzten Jahren im Norden bei Regen und Schnee unterwegs, haben anscheinend dazu gelernt. Svenja ist da schon etwas realistischer und hat sich ein Beipiel am Flugverkehr genommen und gecancelt. No soup for her, „aus Verantwortungsgefühl“.

Bei mir ist der Planungsstand einfacher. Hier wohne ich und nach Brescello zu Don Camillo will ich, dann den Rubicon überschreiten. Der Zeitplan ist ebenso einfach: Das Wetter muß zum Start gut sein und wenn es los geht, geht es eben los. Am ersten Tag sind ein paar Meters zu machen, aber dann is Urlaub. Kein Termin, nirgendwo. Schaun wir ‚mal …
auf die Karte, in die Richtung sollte es gehen, mache ich mit einem Schlenker nach das sieht interessant aus.

Vorher muß die Guzzi wieder auf das Leistungsniveau ihres Klanges gebracht werden. Letztes Jahr hat sie tapfer durchgehalten. Vor München auf der Autobahn macht sie plötzlich bei hundert Stundenkilometern röhr und nix is mehr mit Beschleunigen. Deshalb runter von der Bahn und über den Acker zu den Road-Eagle, denn das war der Übernachtungsplatz vor der Sternfahrt der Biker-Union.

Clubhaus der Road-Eagle München.

Die Tour ist noch aufzuarbeiten. Anfangsvideos sind gemacht, das erste nur für starke Typen, it was a rainy day, beim zweiten Clip das Problem mit der Aufnahmeposition wegen dem angebrochenen Kameragehäuse, jedoch die anderen Tage ruhen. Ebenso kommen die Tage in Israel als Bericht nicht voran.

Mittwoch 15. April

Einkaufen war angesagt und der Parkplatz vor dem Supermarkt war wieder ungewöhnlich voll. Die Leute brauchen nicht zur Arbeit und amüsieren sich im Supermarkt. Salat bräuchte ich, aber ist mir zu teuer, Ersatzsalat auch, anderes Frischgemüse? Ist auch nicht auf meiner Akzeptanzebene. Nun gut ein paar Tomaten nehme ich und Knoblauch muß sein. Zwei Brote und Aufbackbrötchen, was sagt der der Einkaufszettel? Quark, Emmentaler im Block, der ist tatsächlich wieder da, jetzt hamster ich, zwei Stück sind meine. Steinofenpizza soll im Angebot sein, das Preisschild über der Kühltruhe sagt etwas anderes. Hab ich mich geirrt oder soll ich über den Tisch gezogen werden. Eine Kontrolle ob es fehlerhaft ausgepreist ist, kann nicht durchgeführt werden, bleibt also von mir unberührt. Auf dem Weg zum Fleisch sehe ich das immer noch oder schon wieder leere Mehlregal. Habe ich noch und wird in Würde älter, dabei wollte ich doch seit Monaten, ähh Jahren, Spätzle selber machen. Ja, will ich immer noch, aber hier gibt es dehydrierte in der Tüte, die bei der Gelegenheit in den Wagen wandern. Merguez sind im Angebot, jedenfalls im Prospekt, der im Internet besichtigt werden kann. Etwas günstiger, aber keinesfalls ein unbedingtes Schnäppchen. Nicht zu finden, ausverkauft. Normalität ist etwas anderes. Vor Corona gab es das nicht, Merguez waren nie so gefragt. Ohnehin kommen die nicht an die Qualität heran, die ich Frankreich kennengelernt habe. Überhaupt die Normalität. Die Kunden bewegten sich äußerst bedächtig auf den Mindestabstand achtend und irgendwie gehemmt. Der Bewegungsablauf ist bekannt aus Zombiefilmen, ein etwas eckiges Bewegen mit einem unsichtbaren Glaskörper, der Distanz erzwingt. An der Kasse Querstriche auf dem Boden, die den Mindestabstand anzeigen und eine Dirigentenkraft, die die Kunden an die einzelnen Kassen zuweist, was sie aber wegen den ungünstig aufgestellten Regalen garnicht mit dem auch seitlich geltenden Abstand leisten kann. Ich lasse fünfundsiebzig Euro in dem Laden und das ohne Bier, Wein oder Likörchen. Das ist ja schlimmer als hungrig vor Weihnachten einkaufen zu gehen.

Weil wir schon unterwegs waren, machen wir einen Besuch im Baumarkt. Mein Begehr ist ein Dichtungsring und ein paar Blümchen für den Balkon. Der zweite Eingang ist gesperrt, dabei habe ich extra vor dem geparkt und muß nun die Meters zu dem anderen latschen. Der Anblick ist nicht gerade das, was ich mag. Da steht einer und läßt nur Kunden mit einem Einkaufswagen hinein. Da sind gerade zwei zurückgekommen und durch eine Warteschlange ohne Einkaufswagen kann einen okkupieren. Dann sehe ich den fliegenden Wechsel von Einkaufswagen, die warten auf die Zuteilung vom Türsteher. Ich habe einen und es geht etwas schneller in die heiligen Hallen. Der Weg durch die Glastüren ist sauber auf dem Boden markiert. Von wegen direkter Weg. Nix da, alles Einbahnregelung, linkes Tor rein, rechtes Tor heraus. Bei Fußgängern. Ob sich das auf Dauer durchsetzen kann?

Den Dichtungsrig finde ich nicht und der Beratungsstand ist weg, weil an dem Gang irgendetwas neu gestaltet wird. Ein Infostand an der anderen Seite des Durchganges hat eine halbkreisförmige improvisierte Begrenzung aus beliebigen Resten, die den Zugang zu dem Tresen behindert. Da gehe ich gar nicht erst hin. So dringend ist es nicht, schließlich ist er schon jahrelang weg, aufgelöst und mit dem Abwasser weg geschwommen.

Auf zu der Freifläche mit den Pflanzen, alle Pflanzenetagenwagen entlang besichtigt, doch die, die ich vor ein, zwei Jahren als ganzen Tray günstig bekommen habe, gibt es nicht. Da greife ich mir fünf von etwas irgendwie adäquaten Töpfen.

Auf gehts zur Kasse, der hinteren, da geht es immer etwas schneller. Heute nicht, da steht auch ein Kettenhund, der bittet sich an das Ende der Schlange zu stellen, was aber nicht zu sehen ist und wer weiß wie weit weg sie sein kann. Nee, da gehe ich zu den anderen Kassen, was ich auch kundtue. Doch was für ein Schock, das ist ja wie in der DDR, wo die Kunden brav am Eingang auf einen freien Einkaufskorb warteten. Im Normalfall mache ich so eine Gängelung nicht mit und bringe meine Produkte zurück, schiebe den leeren Einkaufswagen durch den Nichtkäuferausgang wieder raus. Aber einmal mache ich auch diesen Kontaktsperrenzirkus mit.
Erst geht es links in den Gang mit dem Fassadendämmaterial herein und auf der anderen Seite wieder heraus, dann durch die Feuertrennwand, die allerdings oben und kaum bemerkbar ist. Da steht dann gleich die Regisseurin, die den Zugang zu den einzelnen Kassenbereichen reglementiert. Abstand halten. Großzügigen Abstand und daher geht es relativ schnell. Wahrscheinlich jedoch auch, weil viele nur eine Rolle Tesafilm gekauft haben. Nachdem die Blümkes in den Kofferraum verstaut wurden, bringe ich den Einkaufswagen zurück und sehe wie Nachschub an Einkaufswagen herangeschafft werden. Ikea steht auf dem Handgriff. Gut daß die nicht öffnen dürfen.

Abends kommt im Fernsehen „Die Getriebenen„, ein Spielfim oder gar als Politdrama bezeichnet. Alleine schon die Besetzung der Rollen ist grandios, die Akteure, die im realen politischen Leben 2015 eine Rolle spielten, sind unverwechselbar erkennbar ohne sie selbst zu sein. Der Kollege „Obergrenze“ oder der ehemalige Verfassungschutzpräsident Maaßen, beide mit charakterischen Phrasen. Ein Lehrfilm, wie Politik funktioniert.

Donnerstag 16. April

Die tägliche email mit der Liste der mails, die als Spam aussortiert worden sind, enthält eine von E. Die hole ich ab und wundere mich, weil die vom 11. April und auch von gmx ist. Wieso braucht gmx für eine mail auf ihren eigenen Servern vier Tage zum verschieben?

Sie war im Februar, März in Ungarn hatte sich dort in der 2. Woche eine gewaltige Erkältung zugezogen, zusätzlich konnte sie das Thermalwasser nicht nutzen, hatte an beiden Unterschenkeln rote Pusteln mit extremen Juckreiz bekommen, das nur ganz langsam wieder weg ging. Sie war auch nicht alleine mit diesem Problem, es hatten viele die gleichen Beschwerden. Die Reste der Erkältung habe sie mit nach Berlin gebracht. Das war schon ein guter Anfang, über den Umweg Steiermark, Oberösterreich und Passau, Hof in Dresden war es sehr beschwerlich. Einfach Abenteuer, keine organisierten Heimflüge von der Regierung sondern individuelle Wegsuche nach offenen Grenzen und Suche nach geeigneten Transportmittel. Eselskarren sind recht selten geworden, die Gustloff soll ja untergegangen sein und Planwagen sind in Europa nur zu touristischen Zwecken unterwegs.

Wenn schon, denn schon: ihr Lebenspartner war in Belgien und ist immer noch dort. Es gibt kein Weg nach Hawai, äh über die Grenze, aus welchen Gründen auch immer.

Freitag 17. April

Einen Blumenkasten mit Wildblumensamen von Campact zur Unterstützung von Wildbienen bestückt, gewässert und in Freie gebracht. Ob die Blümken gedeihen und ob sich eine Wildbiene dahin verirrt, wird sich zeigen. Eine Hummel war die Tage schon vorbei gekommen. Mein Balkon ist zu klein, für alles was ich so machen will. Im Bauhaus hatten sie Olivenbäume im großen Topf angepriesen. Eigene Oliven anbauen, das wär doch etwas. Eine eigene Orangerie.

Das Schloß Zedlitz steht doch bestimmt immer noch leer nachdem Thomas wieder nach Berlin gekommen ist. Er hat es nicht geschafft in Leipzig ein überlebensfähiges Einkommen zu generieren. Im Schloß zu leben ist ja schön mit eigenem Schloßgarten und Orangerie, die als Ausstellungsfläche genutzt wurde. Alleine die Wiese vor und hinter dem Haus macht Arbeit. Da habe ich gelernt mit einer Sense zu arbeiten. Aber ohne Heizung wohnen, in unseren Breitengraden.
Bei der Gelegenheit: was hat Thomas aus seinen ganzen Werken gemacht? Nach Japan wird er sie nicht mitgenommen haben.

Allgemein

2. April – 9. April 2020

Donnerstag 2. April

Zu früh geunkt. Die Tür zur anderen Dimension ist nicht zu, heute stand auf der anderen Seite des Bettes die Regenkombi, die ich letztes Jahr erworben hatte ohne sie zu probieren. Weiß ich, sollte ich einmal anprobieren, aber es sieht nach einem echten Ausfall der Motorradsaison dieses Jahr aus, drängt also nicht. Was soll es bedeuten? Ich habe ein ganze Reihe von Projekten, die hängen und aus dem einen oder anderen Grund nicht angegangen werden. Hmm, schauen wir einmal und gehen zum Tagesgeschäft, Frühstück, ins Internet schauen und dem Mittagsschlaf. Da ist der Tag auch schon fast vorbei.

Freitag 3. April

L hat heute Geburtstag und ich sage freundlichst ab:

Dingens,
keene Bumen,
kein Suff,
nur trocken Spätzle,
da muß ick mir entschuljen,

Mach‘ das Fenster auf und sing und klatsche
für die Helden, die zu Hause bleiben.
Da jíbt es wenigsten Kaffee mit Cointreu. Und zum siebszigsten komme ich, wenn möglich.

Am ersten hat K mich nachmittags angeufen, sie fährt zum Super-Markt und will mir Notwendiges mitbringen – auch ein Kasten Bier. Da fällt mir sofort Schokolade ein, denn Traubenzucker mag ich zur Abwendung einer Unterzuckerung weniger. Eigentlich möchte ich eher einen eigenen Eindruck zur Versorgungssicherheit gewinnen.
Beim Fleisch wurde nachgefragt, ob es von glücklichen Viechern kommen sollte. Klare Antwort: Ich will es essen.

Bei dem letzten Versuch Lebensmittel zu kaufen, glänzten die Regalböden mit singulären Einzelprodukten oder gar nur mit dem Schild, was darin zu finden wäre. Nun gut, auf meiner Liste landeten Waren, die beim letzten Mal nicht so nachgefragt waren, die müßte es also weiterhin geben. Freilich auch zwei Produkte, deren Nachlieferung in ausreichender Zahl bezweifelt wurde. Alkohol wurde dann auch nicht vergessen, mein edler Fusel, ein günstiger leckerer Rieslingwein, den schon beim letzten Mal leider nicht mehr als 2018er Version angeboten wurde. Vielleicht muß er noch ein bisschen lagern, also dürfen ruhig drei Flaschen sein. Wein habe ich noch im Weinkeller gelagert, da halte ich noch etwas ohne Neuzugänge aus, aber man weiß ja nie, was so noch kommt.

Sie braucht gute drei Stunden bevor sie eine Übergabe zelebriert. Der Einkauf in zwei Tüten, ein Kasten Bier und ein Reparaturauftrag einer Designlampe werden unten in den Fahrstuhl gestellt und zu mir in den zweiten Stock geschickt. Nicht ohne darauf hinzuweisen, das sie anderes als mein letzter Besuch darauf bedacht ist, mir keinen möglichen Corona-virus mit zu bringen.

Sie hat sich für eine ganze Kiste Wein entschieden, weil das Regalfach so leer aussah. Was sie aber nicht weiß, vor zwei Wochen habe ich es so verlassen, weil nur drei Flaschen mitgenommen wurden. Das gleiche beim Käse, was damals schon weg war, wurde nicht aufgefüllt oder war wieder abverkauft. Wobei ich letzteres als weniger wahrscheinlich ansehe, die versuchen die Produkte mit höheren Handelsspannen an den Mann zu bringen.
Das Mädel hat dann auch anders verpackten Käse angeschleppt und einen zusätzlichen in Bio-Qualität.
Das ist ein Missionieren, wobei ich da besonders skeptisch bin. Das hat C auch versucht und im Bio-Laden günstig eingekauft, wobei das Gemüse immer schon SOS signalisierte. Da konnte ich nicht umhin BIO-Aufkleber zu sammeln und günstige Produkte damit zu veredeln. Zunächst hat sie sich gefreut ob ihres Erfolges. Später scheint sie den Glauben verloren zu haben.

Jedenfalls war dieses Einkaufen mit ein Grund warum ich nicht zum Geburtstagsspätzle gefahren bin. Allerdings neige ich eher dazu auf einem Fest zu sterben als in einer Gefängniszelle oder gar an einer Maschine auf das Ende des Lebens zu warten.

Samstag 4. April

Was denn? Heute keine Corona-Sondersendung bei den Big-Playern? Hah Glück gehabt, der RBB macht doch eine. Inhaltlich jedoch nur die Diskrepanz der Landespolitiker um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung mit dem Versuch faschistische Stärke als probates Mittel eines Führers zu vermitteln. Die Berliner dürfen und die Brandenburger nicht, oh dieser schreckliche Förderalismus, es sollte doch überall verboten und Söder unserer Diktator sein.

Heute Abend mache ich ein griechisches Programm, es läuft griechische Musik und in Ermangelung von Retsina gibt es griechischen Kaffee.

Mikis Theodorakis in Ost-Berlin.

Sonntag 5.April

Vor ein paar Tagen habe ich im Blog von Susette den Bericht über Andrea unter Corona-Stress in Israel gelesen, was nach meinem Senf schrie.

Andrea findet Videoclips mit verschiedensten Verschwörungstheorien zum Corona-Virus im Internet, die im Gegensatz zu den offiziellen Verlautbarungen einleuchtend klingen. Wer da poltert „das ist alles Blödsinn“, der erkennt nicht die offizielle Kommunikation mit der Schwachstelle der offenen Ungenauigkeit. Auch wenn man es nicht direkt erkennt, im Unterbewußtsein bleibt es nicht unbemerkt.

Andrea hamsterte von dem gemeinsamen Kontingent Olivenöl und Kaffee.
Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Niemand hat das kälter werdende Wasser bemerkt, nur Andrea fror schon über Wochen. Sie schießt in stetiger Konstanz eine Leuchtkugel nach der anderen ab und niemand bemerkt es. Nein, sie bemerken es, verstehen es aus ihrer eigenen Filterblase nicht. Sie wollen ihren reibungslosen Alltag erhalten, der ohnehin von äußeren Bedingungen eingeschränkt und belastender wird.

Von nichts kommt nichts. Das Verhalten von Andrea kommt von früher, daran ist nichts mehr zu ändern. Dem Verhalten aus der Unsicherheit, das Hamstern, kann man etwas entgegensetzen. Ich würde ihr jeden zweiten Tag und in der Folge abnehmend eine Flasche Olivenöl spendieren. Nach acht, zehn Flaschen nachfragen, ob noch eine mitgebracht werden soll. Bei Bedarf bekommt sie dann noch zehn Flaschen. Das wäre ein Weg zu einer abschätzbaren Zukunft.

Angst ist nicht rational, deshalb hilft ein Appell an die Vernunft nicht. Allerdings ist es schwierig die konkrete Angst zunächst zu benennen, zu bestimmen. Was nutzen zehn Eimer Marmelade, wenn nur zehn Stangen Zigaretten etwas Sicherheit versprechen?

Montag, Dienstag 6./7. April

Wir haben Kaiserwetter, selbst die Bäume zeigen positive Absichten und am wichtigsten ist die wärmere Einstrahlung der Sonne. Ich bin schon geneigt ein Sonnenbad auf dem Balkon zu nehmen.

Mittags ruft K an, sie will nach der Arbeit einkaufen und fragt nach meinem Bedarf. So schnell fällt mir nach dem letzten Aufstocken nichts dringendes ein. Na ja, den Kuchen schaffe ich heute noch, da wäre …
Etwas später der nächste Anruf von I, er wollte zur Imbißbude und mir etwas mitbringen. Im Regelfall lehne ich das ab, weil er ohnehin an der Grenze seines Einkommens lebt, da ist jeder Konsum nicht vom System vorgesehen und übersteigt seine Verhältnisse. Nebenbei ist er auch Raucher und das kostet auch sein Geld. I will trotzdem vorbeikommen. Freilich verstehe ich seinen Beweggrund, nämlich den Wegfall seiner sämtlichen sozialen Kommunikation, die weitestgehend in verschiedenen Kneipen, Imbißbuden und Restaurants lokalisiert ist und dort stattfindet. Ich kann da keinen Ersatz leisten, da ich ein Gefährdeter bin. Das mußte ich ihm gegenüber zu Ausdruck in einfachen Worten bringen. Einfache Worte bedeutet: wenn ich von der Krankheit befallen werde, dann sterbe ich. Einfache Worte bringen das finale Ende mental näher heran, das ist unangenehm.

Abends die Lieferung. Es gab noch einen Bonus, Ware, die jemand im Einkaufswagen vergessen hatte. Das passiert, wenn man den Einkauf im Einkaufswagen in Transporttaschen umpackt und die Übersicht verliert. Warum K den versiegelten Kochkäse und die in Folie eingeschweißten Brötchen nicht für den Eigenbedarf verwendete, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich kenne jedoch einige Leute, die dahinter immer einen Giftanschlag vermuten. Aber warum sollte dieser außerhalb des Geschäftes erfolgen und innerhalb des Ladens hätte zur Konsequenz dort nicht mehr einkaufen zu können. Logik hilft nicht gegen Angst. Und so gibt es eben keinen frischen Sauerampfer, denn da könnte ein Hund drauf gepinkelt haben. Doch diese Vermutung stammt eher aus der Prämisse: wer nichts weiß, muß alles glauben.

Mittwoch, 8. April

Telefonmarathon, drei jeweils über eine Stunde, die Leit sitzen alle zu Hause, haben die Wohnung aufgeräumt, geputzt und suchen Beschäftigung. Da kann ich ausführlich aus meiner Schutzhaft berichten. Zum Glück habe ich Internetanschluß, kann also heraus aus meinen Räumen (und andere nerven 😁). Wenn ich da an meinen Freund Arno denke, der über ein Jahrzehnt im Pflegeheim lebte. Isoliert auf der Wohnebene mit anderen Bewohnern, die kommunikativ auch nicht viel zu bieten hatten. Eine Frau, deren jeder zweite Satz mit „meine Tochter“ begann und inhaltlich lediglich eine Überschrift übermittelte. So eine Vorbildfunktion färbt ab, er erzählte später auch fast nur noch von seiner Urlaubstour durch die Seealpen im Wohnmobil. Also eigentlich nur zwei Episoden. Jedenfalls solange er noch flüssig reden konnte. Die Sprachfähigkeit brach zusammen und so brauchte ein Satz später lange Zeit, da muß man sich erst daran gewöhnen.

Mittwoch 9. April

Corona Meldung: die Infektionszahlen gehen zurück. Auch gibt es eine erste „echte“ Information über die Todesrate, die dann unter einem halben Prozent liegt. Das echt bezieht sich auf die Studie in Heinsberg. Nur was nutzt die effektive Todesrate, wenn man der einzige Tote ist. Das Leben kommt nur zurück, wenn die Fallzahlen weitestgehend sinken und das ist im Augenblick noch Wunschdenken und Kaffeesatzlesen.

Nachbars machen Picknick und halten Schwätzchen.
Allgemein

26. März – 1. April 2020

Donnerstag 26. März

Am Wochenende war eine Frau mit drei Kindern im Orgelpfeifenalter an den Sandkästen, mehr Spielplatz ist auf dem Hof der Wohnanlage nicht (DeGeWo Berlin). Am Dienstag sieht es gesperrt aus.

Doch warum? Es handelt sich um einen privaten Spielplatz und die Nutzer waren eine Familie, also so wie sie auch noch in den Park gemeinsam gehen dürfen. Eine entsprechende Verordnung, die sich auf private Spielplätze bezieht habe ich nicht gefunden. Da werde ich wohl meinen Vermieter anschreiben. Diese zwei Sandkisten werden normalerweise fast nie genutzt, müssen aber gereinigt werden und die Kosten landen auf meiner Nebenkostenabrechnung. Das ist ein Grund die Miete zu mindern, zumindest der Hausverwaltung Ärger mit dem Herausrechnen zu bereiten.

So ist die Lage in Schöneberg

Endlich Information gefunden, wie sich die Entwicklung hier entwickelt.
https://interaktiv.morgenpost.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/
Etwas weiter unten wird die Karte Berlins mit den Bezirken eingeblendet und danach gibt es hier 161 registrierte infizierte Personen.

Freitag 27. März

Jetzt kann es nur noch besser werden. Der Papst spendet den Segen Urbi et Orbi außer der Reihe.

Endlich wird die europäische Gemeinschaft wieder angegangen indem Patienten aus Kapazitätsgründen länderübergreifend verlegt werden. Das wäre viel früher notwendig gewesen, doch da galt noch: Rette sich wer kann.
Und der selbe Zirkus beim Geld. Europäische Anleihen sind undenkbar. Ein europäischer Förderalismus wäre schon als Gegengewicht der spekulativen Kapitalmarktströme notwendig.

JobCenter und seine Achtung ihrer „Kunden“

Z ist vom JobCenter zu einer Maßnahme bei agens Arbeitsmarktservice gGmbH verpflichtet worden und arbeitet in einer Grünanlage. Mit sechs Kollegen macht er Pause in einem Bauwagen. Mindestabstand ist da nicht einhaltbar. Der Gruppenleiter bot als Lösung unbezahlten Urlaub an. Er hatte auch nichts dagegen Krankmeldungen entgegen zu nehmen. Das würde ich zum Anlaß eines Querolantentums nehmen. Der Arbeitgeber und natürlich das JobCenter würden sich über die Schreiben freuen. Z möchte aber nicht auffallen und nimmt das hin.

Samstag 28. März

Thementag auf 3sat. Ballet, Oper und Klassik.
Habe mich für Nordic-Working auf Alpha entschieden, booah, das wäre anstrengend und nicht in meiner Leistungsklasse gewesen. Nach dem Aufwärmen sind die durch eine sommerliche Wiese im Fluchtmarsch gerannt, dann noch schneller gelaufen, etwas bergan. Nun, nach der Anstrengung habe ich mir die Panaromabilder verdient.

Ist natürlich auch geschlossen und nicht erreichbar.

In der Tagesschau hieß es: H & M, Deichmann und Addidas als erste wollen ihre Mietzahlungen aussetzen. Na also, da muß die Wirtschaft vorangehen und der Regierung deutliche Signale setzen. Christine Lambrecht, Justizministerin von der SPD. Sie ist doch eher in der Verpflichtung eine Lösung und nicht nur für vierzehn Tage oder einen Monat anzubieten. Als Kleinunternehmer würde ich mich der Bewegung sofort anschließen und nicht darauf warten, das es gut geht. Auf Facebook kam ein Post „wie klatschen und singen für unsere Vermieter, nur Miete bekommen sie nicht.“ So geht Solidarität.

Sonntag 29. März

Und wieder ein Tag in der Quarantäne abgehakt. Keine Sonne und Trübe, morgens mußte ich die Schreibtischlampe anmachen um die Tastatur richtig zu sehen. Meine Mittagsruhe zweieinhalb Stunden nach der Einnahme von Ramipril programmiert, wenn nicht Aktion angesagt ist, war dann auch etwas länger. Jedenfalls sagte meine Uhr falsch an. Sie ist immer mit der Zeitumstellung einen Tag im Verzug, die andere neben der Tür ist zur Kontrolle da und sie sieht ja auch wie eine Bahnhofsuhr aus. Die waren füher Slaveuhren, die sich nach einer Masteruhr richteten.

Vor ein paar Tagen mit meinem Bruder in Nordrhein-Westfalen telefoniert. Meine „Schwägerin“ hat einmal wieder ihr künstliches Hüftgelenk ausgeklinkt und sollte zu einer lokalen Reha in die Stadt. Da war sie sie dann einmal. Zu Corona-Zeiten wurden diese Rehabilationseinrichtungen geschlossen und zusammengelegt. Es wurden also Patienten von wer weiß wo angekarrt. Mindestabstand war da keine Frage. Das entsprach nicht dem normalen Umgang, den sie hatten. Da wußte man von jedem welche Macken und Haustiere sie hatten inklusive deren Oma ihren Müllabfuhrplan, da sie die Tonne nicht selber an die Straße rollen kann. Wenn da jemand Ausgangsverbot bekommt, hört man das von der einen oder anderen Ecke. Bei der Gelegenheit bekam ich das Bedauern ausgedrückt, das det in Berlin nicht so ist. Dabei wees ick, wann die gelbe Tonne abgeholt wird, die is nämlich immer als erste voll und die Glasbehälter gegenüber werden zu meinem Frühstück abgeholt, det hör ick doch.

Uff 3sat war Thementag und ich stolperte in ein Elvis-Konzert auf Havanna, das sah ich schon damals, aber da war Fernsehen noch Flimmerkiste und Krächzen. Der Ton war jetzt erträglich, die Zusammenstellung der Songs zeitgemäß. Zu der damaligen wohl gemerkt. Ging mir damals auf den Kecks, heute war es nur unwesentlich besser. Das Konzert der Rolling Stones in Havanna, auch schon gesehen, aber das gefiel mir schon beim ersten Mal, war eines, wo ich auch gern dabei gewesen wäre. Überhaupt Kuba war zu Zeiten der Mauer günstig, da die Interflug regelmäßig dorthin flog und dringenst die Kosten neben der politischen Botschaft verteilen wollte. Ja, hätt‘ ich nur …
Dazwischen meldet sich L über Skype, stört das Konzert.
Anschließend kommt Metallica in Nimes. Metallica ist nicht gerade meine Musik, aber die spielen in einer römischen Arena und ich war noch nie bei einem Konzert in einer römischen Arena. Da wären mir 2 Cellos in Pula und Adriano Celantano in Verona bekannt.
Corona soll sich ‚mal ein bisschen beeilen, ich hab noch einiges vor.

Montag 30. März

Drei Grad Celsius und es schneit.

Mittwoch 1. April

Heute wie gestern schon um fünf Uhr dreissig wach und noch dunkel. Balkontemperatur minus ein Grad.

Heute kein Besuch da. Vor ein paar Tagen sah das Schattenspiel aus als säße jemand oben auf dem Regal. Da das Regal schmal ist und da oben auch nicht allzuviel Platz war, laß den Kleinen da sitzen. Ich war zu faul Licht anzumachen und die Ursache zu hinterfragen. Das Wissenwollen wurde mit dem Umdrehen im Bett erst einmal auf später verschoben. Ein paar Tage später rückte der Besuch näher, diesmal im Regal etwas weiter als Armlänge mit einem Plüschtiergesicht. Ich will noch nicht aufstehen und drehe mich um. Am nächsten Morgen konnte der Besuch mit einem Rüssel wie ein Ameisenbär, ebenfalls in Plüschtierkonsistenz, und in Armlänge gesehen werden. Da will ich doch Kontakt aufnehmen und strecke meine Hand dorthin und in dem Moment, wo die Berührung stattfinden müßte ist die Erscheinung wie ein Bildausfall bei einem modernen Fernsehgerät weg. Seitdem ist mein Zugang zu der anderen Dimension wieder weg. Vor vielen Generationen wäre ich vielleicht heilig gesprochen worden, weil ich Maria, die Mutter Gottes, gesehen habe. Aber die Worte Plüschtier, Rüssel und Ameisenbär hätte der Berichterstatter freilich mit goldener Erscheinung und Geruch von Weihrauch ersetzen müssen.

Vor Jahren, Dora war als Haushaltshilfe bei verschiedenen älteren Herrschaften beschäftigt. Sie erzählte das bei einer Frau ein Mann in der Lampe saß. Na und, laß ihn doch da sitzen. Das ist prakmatisch, als Arbeitnehmer mit einem Zeitkontingent kann man sich nicht auch noch darum kümmern, und wenn er keinen Dreck und Lärm macht ist das doch in Ordnung.

Leider ist es so, das von Nichts auch Nichts kommt. Jede Wirkung hat auch eine Ursache. Die Suche danach ist manchmal langwierig. Bei den hier berichteten morgendlichen Besuchern ist es schon trivial einfach.
Quarantäne ist nicht das Bedürfnis des Menschen, der braucht eine ausgewogene Mischung von Abenteuer, Ruhe, Erlebnissen und Müßiggang. Jedes Defizit muß bewältigt werden. Und das macht das Gehirn selbstständig auf Grund seiner Erfahrung. Da ein kleiner Mensch oben im Regal bei mir nicht rational punkten konnte, kamen unbekannte Plüschtiere zum Einsatz. Den Teddybär aus meinen Kindertagen, hätte ich erkannt. Warum der mir nicht angeboten wurde, ist eine offene Frage. Der Durchgang in eine andere Dimension wäre natürlich viel spannender gewesen. Schon shiet die Erkenntnis, wirkt vielleicht weniger.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat eine „Handreichung zur Quarantäne„:
„Bewahren Sie eine positive Grundhaltung und orientieren Sie sich an Werten, die ihnen Halt geben (z.B. Familie, soziales Netz, Glaube).“
Jooh, zum Schluß Glaube, das bleibt haften. Und wenn nix mehr hilft, beten ist jedenfalls eine Beschäftigung und Beschäftigung hilft.
Allerdings zu Zeiten ohne eigene Uhren wurde die Dauer für ein Drei-Minuten-Ei mit drei Vaterunser bestimmt.
Die Quarantänezeit wurde zu Beginn mit vierzehn Tagen bestimmt. Klar das schaffen wir. Die waren noch nicht vorbei und so schoben die Regierenden vier Wochen nach indem sie einen vorläufigen Termin nannten. Das gleiche bei den handelnden Personen, die Kanzlerin sprach von vierzehn Tagen, der Kanzleramtsminister jetzt vom 21. April.

Merke: Die Lügen nicht oder anders „Wenn das der Führer wüßte“.

Allgemein

17. März 2020 – 24. März

Dienstag 17. März 2020

Heute eine email an den Vermieter des Winterlagers für mein Motorrad geschrieben. Die Aussicht das Radl Anfang April abzuholen sind ungewiß, weil die Regierung mit Pandemiemaßnahmen keine Erfahrung hat und mit Sicherheit mehr Schaden als nötig anrichten wird. Historische Erfahrung mit der „spanischen Grippe“ 1918/20 haben keine lebenden Menschen gemacht und zudem stellt sich die Frage der Vergleichbarkeit. Jedenfalls habe ich meinen Vermieter angefragt, ob das Motorrad weiter dort verbleiben kann.

Freitag 20. März 2020

Die Antwort von meinem Motorradstellplatzvermieter: „Kein Problem, kann stehenbleiben“ kam schnell. Ansonsten wäre das ja schwierig geworden. Die Zulassung gilt ab April, ich könnte vorher nicht agieren und eine Ausgangsperre kann auch noch dazu kommen.

Ausgangssperre hurra

Welche Schaumschlägerei?
Arbeiten ja, egal welche Infektionsgefahr auch immer. Das letzte Sonnenbad vor der Einsperrung wird als Unvernunft dargestellt. Und da stehen die Bilder mit Gruppen von Polizisten, die die Anordnungen durchsetzen sollen. Die müssen Immun sein, da gibt es keinerlei Bedenken auf Virenschleudern. Nein sie sind nicht Immun. GMX meldet für Berlin fünfzehn infizierte Polizisten, insgesamt sind 324 von denen in Quarantäne.

Damit die Wirtschaft keinen Husten bekommt wurde angekündigt: wir werfen mit Geld um uns. Leider haben sie eine Konkretisierung nicht geschafft. Ein wirklich deutliches Signal, wie eine gesetzliche Aussetzung des Mietzinses, fehlt natürlich. Einfach eine Pause machen, Mietzahlungen werden für einen Monat bis auf weiteres ausgesetzt.

Dafür werden die Landesgrenzen geschlossen, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne vorheriges Nachdenken über indirekte Folgen. Die Folgen werden kommen. Wenn der Bauer im Märzen seine Saat nicht aufs Feld bekommt, dann wird die Ernte dünner oder gar ausfallen. Das weil die Arbeitskräfte nicht mehr freizügig über Landesgrenzen können. Macht aber nichts, Dummsprech sagt: das können die jetzt freigesetzten Kellner machen. Ein Versuch mit Regierungsmitgliedern als Pflanzer oder Erntehelfer würde denen nach einem Arbeitstag die Unmöglichkeit ihrer Lösung klarmachen. Das bedeutet kein Lernen, sie müßten eine ganze Saison darein gepreßt werden. Und zwar mit den gesamten Bedingungen, die Verpflegung, Unterkunft und Entlohnung.

Samstag 21. März 2020

Auf Facebook begrüßt mich eine Anzeige von Bestattungen Schuster Berlin:
„Corona – Update zur Bestattungssituation.
Auch aktuell verlieren wir geliebte Angehörige an natürlichen Todesursachen. Sie, als Angehörige, stehen vor der Herausforderung eine Bestattung in Auftrag zu geben. Hier erfahren Sie, was aktuell anders und was zu berücksichtigen ist…“

Das ist so das Richtige für mich zum Frühstück als Gefährderter. Jedenfalls werde ich nicht angesprochen mit „haben sie schon einmal über ihre Bestattung nachgedacht.“ Jedenfalls über unatürliche Todesursachen nachzudenken geht schnell. Es gibt keine. Alles hat die Ursache der Einstellung irgendwelcher Funktionen des menschlichen Körpers.

Aber so richtig ist die Werbung nicht einer Pandemie angepaßt. Da gilt es zu klotzen: „Beerdigung im Familienpack 10 Prozent günstiger“ oder „Buchen sie im 100derter Pack – 20 % Rabatt“, „Nur am Anfang der Coronazeit erhältlich“. Man fällt natürlich nicht mit den Schnäppchen ins Haus. „Dürfen wir sie an ihr Ableben erinnern?“ könnte die freundliche Eröffnung der Kommunikation sein.

Sonntag 22. März

In der Schweiz gibt es noch die heile Welt.

Ein Post auf Facebook:
„Am Freitag fuhr ich einkaufen, – ihr kennt das, die Situation ist eher bedrückend, angespannt, gewisse Leute nervös, – und wurde von der Polizei angehalten.
Der Polizist hat sich ordnungsgemäss vorgestellt, gefragt ob ich der Besitzer des Wagens sei,… Kontrollschild abgeglichen, …
So weit, so gut, … ich überlege… angeschnallt? Check!, Handy war aus, nicht zu schnell gefahren … (Ratlosigkeit…???)
Polizist kommt zurück: “ Der Grund, warum ich Sie angehalten habe – Sie fahren ohne Licht!… Ordnungsbusse SFr. 40.–!“

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Sie haben ihren Wehrpass nit dabei?

Die Straßen fast gänzlich leer und Kaiserwetter da muß doch auch etwas für Stadtsäckel abfallen. Nee, der Angestellte der Stadt erscheint als faschistoider Typ, der hat ein bisschen Macht und die will er auskosten, Verhältnismäßigkeit? In diesen Zeiten gibbet det nicht. Der Faschismus ist auch in der Schweiz zu Hause. Aber der kann sich freuen, was da noch kommt, wird ihn wegfegen.

Erfolgskurve

Die mittlerweile bekannte John Hopkins Universität bietet täglich eine Anzeige des Corona Erfolgs. Der letzte Balken signalisiert ein Abfallen der Infektion, doch das täuscht, weil bis Mitternacht noch ein paar Ereignisse hinzu kommen.

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Abgeordnetenwatch

Abgeordnetenwatch organisiert seine Heimbüros und was ist wichtiger als geregelte Pausenzeiten. Die machen morgens virtuelle Kaffeepause, um 13 Uhr öffnet die virtuelle Kantine und über den ganzen Tag soll auch ein virtueller Kaffeeautomat zur Verfügung stehen. Demnächst wird es wohl vermehrt Ratschläge geben, wie man im Home-Office auch regelmässig zum Ende der Tätigkeit kommt, indem die virtuelle Kaffemaschine abgeschaltet wird. „Der Hackmack geht immer früher.“ „Stimmt nicht, hatte eine Besprechung.“

El Al meldet sich auch, die Zeiten sind schwer.

We continue

It’s our duty and goal to continue serving due during these days.

Die denken an mir, wo ich auch lieber in der Sonne am Roten Meer sitzen würde.

Montag 23. März

K hat mir frischen Eisbergsalat vorbeigebracht, was natürlich ganz hervorragend ist, denn mein Brechbohnensalat war nicht so der Hit. Die Bohnen aus der Dose, Mindesthaltbarkeitsdatum 2017, hatte ich vorher nie probiert und sie sind mehr für einen Eintopf als für einen Salat geeignet. Für die Zunkunft merken: erst prüfen, dann Vorräte anlegen. Nun ja, zwei Dosen sind keine Vorräte.

Da wir schon beim Essen sind, heute habe ich mir Eisbein mit Sauerkraut gemacht. Gemäß Rezept hieß es „Eisbein kochen und den Sud zum Sauerkraut geben, man kann auch einen Schuß Wein, Kümmel und anderes hinzugeben. Von gestern hatte ich noch einen Rest Riesling, der mir zu sauer, eeh herb war. Das hat dem Sauerkraut gut getan und mir auch.

Dienstag 24. März

Die Bergbahnen sind geschlossen, jedenfalls in Saas-Fee. Das ist jedenfalls eine Geistermeldung, die nicht im Spiegel oder auf einem Foto zu sehen ist.

Skifahren ist ohnehin nur für Snobs.

Nachrichten aus Österreich: Strabag stellt die Bautätigkeit ein. Viele andere Baustellen müssen weiter bedient werden trotz der Schwierigkeiten den Mindestabstand von 1,75 Meter einzuhalten, weil die Bauherren mit den Strafen bei Nichteinhaltung der Temine drohen.
Soweit die Meldung vom aktuellen Verhalten des Faschismus Kapitalismus.

Dann fordert im ZIB noch eine Tussi mehr Tests auf den Corona-Virus zu machen. Die muß Katholikin sein, als ob Beten oder Tests helfen.

Es kam noch eine Kritik an den Senioren, die unvernüftig gegen den gut gemeinten Hausarrest agieren. Man sollte alle auf den Scheiterhaufen schicken, die ohne Nachdenken erstbeste Zwangsmaßnahmen für andere Menschen präferieren, immer mit dem Argument, welches jedes Kind schnell als ein falsches lernt: Es ist nur zu deinem Besten.

Im Fernseher gab es abends schon etwas weniger Coroni-Sendungen. Wie üblich immer ohne konkrete Informationen für mich. Ich will wissen und zwar nicht wie der Virus von der Fledermaus über ein Gürteltier in den Kochtopf eines Gourmets gewandert ist, sondern wo ist in meiner Umgebung welche Infektionsrate, wo kann ich mich frei bewegen und wie ist die Krankenhausauslastung. Da hilft die weltweite Statistik der Hopkins Universität gar nichts. Die Infektionsrate ist allerdings auch ein Wert, der durch ein Linse, deren Verzerrung nicht bekannt ist, betrachtet wird. Da auch immer eine Rate für eine Herdenimmuniät zelebriert wird: Solte man sich schnell anstecken, um adäquat medizinisch behandelt zu werden?

Dafür gab es dann Kabarett im Kettenbrief. Die Zunahme der Kabarettsendungen rief in mir schon vor geraumer Zeit das Gefühl eines Tanzes auf dem Vulkan hervor, so wie es für Berlin während der Weltwirtschaftskrise vor dem zweiten Weltkrieg beschrieben wird.