Tour zu Don Camillo

Tour zu Don Camillo

Tour zu Don Camillo

Vor Jahr und Tag hat jemand in einem Forum über Brescello geschrieben, das typische Dorf in Italien nach dem zweiten Weltkrieg, dem Streit zwischen der neuen angestrebten kommunistischen und der dem überkommenen katholischen Weltordnung, deren Haupakteure Don Camillo mit direktem Zugang zu Gott und Peppone sind, dieser Bürgermeister und Vorsitzender der Partei mit seinen weltlichen Zwängen und dennoch traditionell verbundener Herkunft und Umfeld. (Don Camillo und Peppone) In Brescello war ich noch nicht und in Italien wird das Wetter von der südlichen Seite der Alpen gestaltet, was schöneres Wetter zum Vespafahren, als auch fürs Motorrad verspricht. Bei der Gelegenheit will ich denn auch den Rubikon überschreiten, schließlich habe ich zwei Semester Lateinunterricht gehabt.

Italien ist von Berlin schon ein paar Minuten Fahrzeit entfernt. Autobahn ist nicht so die angesagteste Streckenwahl, so habe ich Etappenziele mit Besuch mit Kurviger.de geplant. Die Planung ist ein Kunststück, denn mein Leben wird vom Jahreskalender bestimmt. Vier Monate im Voraus sammeln sich die einzuhaltenden Termine an, alle farbig auf einer Jahresübersicht markiert. Da muß man bangig aufpassen genügend große Lücken zu lassen. In der Regel wird der nächste Termin vor Ort ohne Blick auf den Kalender zu haben vereinbart und das ist für ein Reisemanagement nicht so toll. Ja, wenn ich einmal Rentner bin, dann …

Die Packtaschen und mein Seesack aus LKW-Plane waren vorbereitet bis auf meinen Apothekenschrank. Am Montag sollte es losgehen. Sollte, aber bevor ich mit Frühstück fertig war, war es mehr als schön warm auf meinem Balkon. Nee, Hitzestreß gleich am ersten Tag, da fahren wir eben morgen los.

Mittags ruft Peter an, Cilly hat am Samstag Geburtstag, ich möchte doch vorbeikommen. Nee, das geht nicht, ich bin auf dem Weg nach Don Camillo. Ich komme morgen zu einem Stück Kuchen und zwar zu genau einem. Cilly hat morgen eine Arzttermin um zwölf Uhr, sie ist erst um zwei Uhr zurück. Das schaffe ich sowieso nicht, frühestens drei, eher vier Uhr nachmittags. Eine Einladung habe ich schon zu Coronazeiten bekommen, da habe ich mich gleich zu Beginn der staatlichen Maßnahmen kundig gemacht, was das für mich bedeutet, denn die Informationspolitik lief auf Massenbeeinflußung hinaus. Irgendetwas schien im Busch auf dem Lande zu sein ohne das darüber gesprochen werden konnte. Jedenfalls ich habe mich zu Corona vorsichtig verhalten, bis auf ein Restrisiko, was ohnehin nicht ganz zu vermeiden ist. Ohne das ich konkrete Erfahrung habe, wie sich das mit der Zwangsbeatmung verhält, hat mir die Todesart und so eine Behandlung nicht zugesagt.

Das war es nun, Dienstagmorgen war es genauso warm wie am Montag, nur halt mit Kuchentermin um vier Uhr bei Peine.

Drei mal aus dem zweiten Stock herunter zum Motorrad, die Packtaschen eingeklinkt und den Seesack verzurrt. Schön warm draußen. Auf dem Balkon werden die Solarpanel windsicher zusammengestellt und von den Batterien getrennt. Jetzt die Motorradjacke anziehen, das Kabel für das Navi, denn das versorgt mich mit Musik neben den Abbiegeanweisungen, sowie selbiges eingesteckt. Den Helm in die Hand genommen und noch ein Blick in die Stube und die Küche. Festnetztelefon ist eingeschaltet und auf Stadtstrom.

Auf der Straße das Navi eingesetzt, die Schutzkappe in das Case und dieses in eine Packtasche. Das suche ich später bestimmt. Die Jacke geschlossen und den Helm mit dem Anschlußkabel am Navi verbunden. Ist das warm hier. Rauf auf den Hobel, Choke ist bei der Temperatur nicht nötig. Der Motor springt auch an, ist jedoch gleich wieder aus. Stand zu lange. Also doch den Choke etwas gezogen, der Motor läuft, den Choke riecht man auch. Es geht los, an der nächsten Straßenecke wird der Choke zurückgestellt und über das Rathaus Schöneberg geht es Richtung Friedenau, weil die Auffahrt zur Stadtautobahn zugestaut ist. Die nächste Abfahrt zur Stadtautobahn nehme ich, ist ohnehin nur ein kurzes Stück. Am Botanischen Garten ist der Verkehr schon ziemlich nervig, aber am Zehlendorfer Kreuz schalte ich zum ersten Mal die Kamera an. Ich bin unterwegs, habe wahrscheinlich nichts vergessen und die Allee von Zehlendorf nach Wannsee fahre ich gerne.

Das war zu Mauerzeiten nicht nur meine Hausstrecke. Zehlendorf zur Spinnerbrücke, den Wannsee entlang zur Heerstraße. Da ist das Corbusierhaus in der damals die Senatorin in einer Sozialbauwohnung wohnte. Damals eben auch noch vergünstigt für Reiche und Ilse Reichelt, was zu einem lokalen Skandal wurde. Später dann ohne die Frau Senatorin zu Spekulationsmißbrauch führte. Abwechselungsweise ging es auch `mal nach Spandau. Die Strecke haben die total vermiest mit Tempo 30 Schildern. Es ist einfach nicht mehr so wie früher. Kannst du heute vergessen.

In Wannsee wechsel ich auf die Autobahn, es ist ohnehin schon spät, fast Mittag, und ich muß erst ein paar Kilometer machen, sonst schaffe ich es nicht rechtzeitig, da ich unterwegs die Bahn verlassen und die Kurviger-Route nutzen will, die zwar viel mehr Zeit frist, aber man sieht schon ein bisschen mehr.

Da ich vorher nicht vollgetankt habe, hätte sich ja nicht gelohnt, blinkt die Reserveanzeige. Ich verlasse die Autobahn irgendwo vor Helmstedt. Der Tankbon behauptet Erxleben, es wird getankt und die Fahrt geht entspannt auf der Bundesstraße über Land. Ein schönes Stündche mit wenig Verkehr und vor allem nicht durch einen Backofen. Die Uhr tickt und es geht wieder auf die Autobahn, schon nach relativ kurzer Zeit brauche ich eine Abkühlungspause. Ein relativ leerer Rastplatz war meiner. Steht da doch ein protziger Mercedes ohne vorderes Nummernschild. Ein Luftschlauch führt an der Seite in ein Vorderrad. Das muß ich mir trotz fehlenden Schatten ansehen. Hinten fehlt auch das Nummernschild und der vermeintliche Luftschlauch ist ein Stahlseil, das durch mehrere Räder geführt ist. Da hat der Zoll oder ein anderer Amtsträger das Fahrzeug stillgelegt.

Das soll mir jetzt egal sein, die letzten Kilometer schaffe ich auch noch. Es kommt die Abfahrt Peine und ich kann Illsede schon ahnen. Das akkurat ein viertel vor Vier Uhr. So eine Punktlandung habe ich bei denen noch nie hinbekommen.

Mein Eindruck, daß etwas im Busch war, hat sich bewahrheitet. Cilly ist jetzt Flachbusig, die zweite Brust wurde entfernt. Die Behandlung der ersten habe ich vor Jahr und Tag zwar bemerkt, wurde weder von mir noch jemanden anders thematisiert. Ich wollte Cilly zwar immer auf ihren Anspruch auf eine Prothese hinweisen. Die Prothese ist inviduell anzufertigen, da ohne Ersatzbusen die Körperhaltung durch unsymetrische Belastung sich ändert und zu ständigen Rückschmerzen führen kann. Das hat mir jedenfalls Anne erzählt und die hat mit ihrer Krankenkasse das Thema durchgefochten. Von ihr kann auch eine Handreichung Brustkrebs – Erste Hilfe zu erforderlichen Informationen angefordert werden. Cilly war jedenfalls gut drauf und meinte „jetzt hat Peter nichts mehr zum Schmusen“, mit dem Thema geht sie locker um, sagte sie, was soll sie auch sonst machen?

Abends war Trainingschießen beim Schützenverein Ölsburg angesagt. Peter packt sein Luftgewehr ins Auto und kündigt gleichzeitig an: „wenn da heute keiner in den Schießstand geht,“ geht er auch nicht. So kam es denn auch, es wurden zwei Biertische vor den Eingang gestellt und es gab kühles Bier zu Themen wie Papierkram bewältigen bei Todesfällen. Ohne Kopie des Totenscheins kann eine dritte Person keine Verträge kündigen und es sind einige, die so eine Kopie haben wollen. Das Thema wechselt zu wichtigerem. Es ist ein Königsschießen angesagt und da kommen Leute aus anderen Vereinen auf diesen Schießstand, da ist Gemeinschaftsarbeit zur Vorbereitung angesagt. Gemeinschaftsarbeit? Was ist denn angesagt? „Na, hier ein bißchen saubermachen.“ Die alten Blätter und was der Wind so durch Gegend wirbelt beseitigen. Im Schützenheim, auf dem Schießstand sieht es ohnehin immer wie in einer Kaserne aus. Kein Staubkörnchen oder unordentlich wirkendes Dekostück, Kugelschreiber oder gar schmutzige Aschenbecher. Die Krankenschwester auf einer Kinderstation meldet sich ab. „da kann ich nicht, da habe ich Dienst.“ Keine Frage, Arbeit geht vor. Schon sind wir beim Thema Corona, denn das hat sie auch gehabt. Es war dann auch ein leichtes die Infektionskette nachzuverfolgen. Man kann keine kleinen Kinder auf Coronadistanz halten. Daneben ist ihr Arbeitsplatz bedroht, die Station soll nach längerem hin und her in absehbarer Zeit geschlossen werden. Um ihr Erwerbseinkommen hat sie keine Bedenken, als Fachkraft mit drei Schichten und Sonn- und Feiertagsarbeit findet man etwas neues. Aber spezialisierte Kinderstationen zumal hier in der Gegend, da gibt es keinen Ersatz.

Nach zwei Stunden wird der Vereinsabend beendet, die Tische und Bänke verschwinden im Vereinsheim und wir verlassen den Ort.

Weiter mit Tag zwei der Tour zu Don Camillo