28. April – 5. Mai

Campact organisiert eine Demonstration mit Mund-Nase-Masken, die es kostenlos gibt. KLar, bei kostenlos und Botschaft auf Diskrepanz will ich haben. Beeile ich mich doch auch, sagen die doch „wenn alle, dann gibt es keine mehr“. Für den Fall, das in Berlin der Supermarket mich nicht mehr liebt.

Rechtmäßig ist die Maskenpflicht nicht. denn es bietet keinen bemerkenswerten Schutz. Die Verpflichtung die Maske zu tragen ist zufällig zu dem Zeitpunkt der ersten Lockerungen der Pandemiemaßnahmen eingeführt worden und soll den Bürger erinnern: da ist noch ein Virus, das etwas verlangt. Ob da eine korrekte Abwägung der Rechtsgüter erfolgt ist, scheint doch sehr fraglich zu sein. Bis allerdings ein Urteil in einem Rechtsstreit gesprochen würde, ist die Pandemie Geschichte. Hier wird in den verschiedenen Bundesländern ein vorsätzlicher Rechtsbruch begangen.

29. April

Mittags meinen Garagenvermieter zwecke Termin das Motorrad aus dem Winterschlaf zu befreien konnektiert. Leider bietet er eine Zeit an, die jetzt ist, ich komme aber nicht so schnell von A nach B. Also morgen versuchen.

K hat mir eine mail mit Link zu einem „sauguten Artikel“ geschickt. „Die Welt nach Corona von Mathias Horx. Die Corona-Rückwärts-Prognose …“

Er beginnt gleich einmal mit dem Invertieren der Erwartungshaltung und stellt (sein?) Modell der Re-GNose zum Gegensatz der Pro-Gnose vor. Er stellt sich vor im September 2020 in einem Cafe zu sitzen und über unser Verhalten / Verständnis zu wundern. Dann wird reine Phantasie produziert. Gesellschaftliche Höflichkeit stieg an, bei Fußballspielen gibt es keine Mass-Wut-Pöbeleien, man kommunizierte wieder wirklich, Bücher lesen wurde zum Kult. Jawoll und das alles hat der Mensch bewirkt. „Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.“ Da wird so richtig klar, mit welchen Bildern der Horx Spiegelfechten übt. Er will seine heile Welt aus der Kindheit wieder haben. Künstliche Intelligenz muß für ihn so weit weg sein wie eine Dampfmaschine in England. Man hat da etwas gehört, aber das wird sich bei uns nicht durchsetzen. Eine Dampfmaschine auf der Menschen fahren – schneller als ein Pferd laufen kann – wird diesen schwer schädigen.

Da beginnt sein Wunschkonzert: „Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen …“, „wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist“, „die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt“.

Bei einer Prognose aus der Zukunft ist er sich nicht so sicher:
Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt.“

Unsicherheit ist nicht das, was er verkaufen will und so kommt das „Gute“ zum Tragen. „Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert.“ Ist so natürlich nur eine Feststellung aus der Zukunft, warum und wieso braucht nicht begründet werden, denn in der Zukunft ist das Geschichte, wer fragt da nach Glaubwürdigkeit. Das ist so.

Fake-News ist eine Reaktion auf das Kommunikationsverhalten der gesellschaftlichen Ikonen. Gute Fake-News zeichnen sich durch Glaubwürdigkeit aus. Sie sind genauso gut oder schlecht wie die präsentierte Wahrheit. Sie verlieren erst ihren Boden, wenn die zugrundeliegenden Informationen eindeutig nachvollziehbar und klar werden. Da steht jedoch die Komplexität der Lebensumstände massiv im Weg.

Und so ähnlich kommt er auch zum Schluß:
„Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch.“

Verstanden? Nöö, also Yin-Yang geht so, Ping-Pong etwas anders und es ist so etwas wie ein Pendel. Ein Pendel schwingt immer in eine Richtung, wenn die Erde sich dreht, schwingt es plötzlich woanders hin. Ziemlich cool der Beweis der drehenden Erde. (Dank an meinen Lehrer Berthold Daerr.)

30. April

Heute ist Tango, um neun Uhr Termin im Polikum Friedenau. Es sind weniger Leute wie sonst da, das kann an der Uhrzeit liegen, ich wähle immer nachmittags-termine. Die haben mir den vor Tagen gestrichen und so habe habe ich eben die Morgenstund genommen, da ich die Medikamente auch ohne Arztbesuch benötige. Anschließend wird der Hausarzt um die Ecke besucht, der ja auch Drogen verteilt. Da das Wartezimmer leer ist, will ich ihn auch besuchen und das Problem vom Samstagmorgen zu den Akten geben. So kommen wir auf das Problem Blutentnahme. Seine Hilfskräfte waren im Januar schon genervt Venen zu finden und zu treffen, so daß sie aufgegeben haben. Den nächsten Termin habe ich bei der Konkurrenz im July. Blitzschnell hat er erkannt: der DMP Betreuungszuschlag geht ihm verloren. Ein Medikament, welches ich selbst bezahlen muß, ist ausgegangen und ich nehme es zur Zeit nicht. Da hat vor Jahr und Tag ein Kollege von ihm auch gepredigt „sehr effektiv und wirksam“, doch wenn die Kosten von der Krankenkasse nicht übernommen werden, wird das nicht stimmen. Es gibt eine Neumedikation. Auch eine angeratene Magenspiegelung lehne ich ab, von der letzten nach einem Krankenhausaufenthalt empfohlenen Kontrolle hat er keinerlei Unterlagen. Tja, die Kommunikation von Arzt zu Arzt ist trotz der elektronischen Kassenkarte immer noch völlig unzureichend, allerdings habe ich wohl damals darauf verzichtet, weil für die Diagnose „alles in Ordnung“ mache ich kein „Männchen“.

Wir einigen uns auf eine sofortige Blutentnahme. Die Ellenbogenvenen gefielen ihm nach den vorangegangenen nicht und entscheidet sich für die linke Handoberfläche. Er trifft auch die Vene aber bei dem Anklemmen der Saugampulle rutscht die Nadel aus der Vene, tritt Blut aus in die Unterhaut und bildet eine Blase. Der Vorgang wird abgebrochen und mit Tupfer und Plaster besiegelt. Da ich zwei Hände habe, ein weiterer Anlauf. Diesmal bekommt er seine drei Röhrchen.

Das war kein erfolgreicher Vorgang für den Arzt, kein Heiligenschein, keine überzeugende Darstellung und das schmerzhafteste: der Verlust des DMP-Programms.

Abends erzählt Torsten Sträter im Fernsehn seine Träume: „Ich fahre auf einem Dreirad die Hotelflure ab, sie sind kilometerlang ich fahre und fahre an endlosen Hoteltüren vorbei, biege um eine Kurve und bremse. Vor mir im Gang stehen zwei Mädchen. sie halten sich an den Händen und sehen exakt identisch aus. ‚Iss keinen Zucker du wirst zu fett, es ist nicht gut für dich. Iss keinen Zucker, du wirst krank und dann sterben.‘ Wer seid ihr?, brülle ich. ‚Die Ratiopharm-Zwillinge‘. Jetzt ist aber ‚mal gut, denke ich und werde wach.“

Den Horrorfilm Shining kenne ich, so auch die Hotelflure und die Zwillinge, das die schon von Ratiopharm waren, ist neu und schreckt selbst den Sträter auf. Da wollte ich wohl auch nicht weiter träumen, von dem Sport und der Quadratur.

1. Mai

Kein Tanz in den Mai und auch keine Arbeiterdemonstration. Ansonsten verlief der Tag ereignislos.

2. Mai

Zehn Uhr Termin Motorrad befreien. Es ist nichts los in der Stadt und selbst vor der Tür bekomme ich einen Parkplatz. L erscheint mit einem großen Volvo und parkt in zweiter Reihe. Wir gehen auf den Hof zu den Garagen. Dort steht mein Radl fast sieben Monaten unter einer Regenhaube. Das erspart Staub putzen. Schwer ist das Gerät, welches rückwärts auf die Zufahrt geschoben sein will. Die Batterie, für den Winter in meinem gemütlichen Badezimmer warm gestellt und vorgestern drei Stunden an das Lagederät gehängt, wird eingebaut. Das Werkzeug und die Haube bringe ich weg, beziehungsweise will ich vor die Hofeinfahrt bringen, denn die ist verschlossen. Ein ordentliches Haus, wer da durch die Hofeinfahrt geht, schließt das Tor ab. L hat gewartet, meinte letztens hätte er noch Starthilfe gegeben, zuversichtlich antworte ich: das wird schon gehen. Und es geht ja auch ohne erkennbares Saugen des Motors an der Benzinleitung, was man durch Drehen des Anlassers ohne Zündreaktion des Motors bemerken kann. L schließt die Grage und und geht zur Hofeinfahrt vor, läßt mich auf die Straße, wo ich die Ausfahrt etwas blockiere. Sammel mein Werkzeug und die Haube ein und versenke es im Kofferraum. Ein kurzer Gruß „bis nächstes Jahr“, sagt L, was freilich korrigiert werden muß, ich muß Ende Oktober von der Straße. Er ist schneller weg, ich kämpfe noch mit dem Helm, dessen Verschluß schwergängig ist. Aber dann: olee, das macht Spaß, das Losfahren, zwar nur siebzig Meter bis zur Ampel. Die Reifen scheinen etwas Luft verloren zu haben, was am Lenkverhalten bemerkbar ist.

Nach dem Regen und meiner Mittagsruhe will ich das Auto aus Neukölln abholen und war zu Fuß. Google sagt mir sieben Kilometer, das wird gut für meinen Blutzuckerspiegel und meiner physischen Leistungsfähigkeit sein. Außerdem will der öffentliche Personennahverkehr ab heute keinen ohne Maske befördern. Cowboy haben wir als Kind auch immer ohne Mundschutz und Hut gespielt. Ich muß unterwegs viele Pausen machen, an der Langenscheidtbrücke, da geht es etwas bergauf, an der Bahnüberführung Monumentenstraße, am Kaiserstein, am Friedrichwerderschen Friedhof, vor den ehemaligen Kreuzberger Festsälen, auf dem Hermannplatz und in der Sonnenallee. In der Sonnenallee ist Begegnung angesagt, vor jedem türkischen Geschäft ist „sozialistisches Schlangestehen für Bückware“ auf dem Gehweg angesagt. Dort finden sich gehäuft Gemüse- und Fleischläden mit orientalischem Angebot, der Gehweg ist von der Auslage vor den Schaufenstern und den Lieferkisten zwischen den Baumscheiben gerade einmal für zwei Personen frei, davon nehmen die Wartenden ein Teil ein. Wegen dem Gegenverkehr ist Slalomlaufen angesagt. Mundschutz? Klar, als absolute Ausnahme, wir wollen doch nicht übertreiben. Hier wurde Abstand halten noch eingehalten, weiter in der Sonneallee, bei einer Kreuzung, muß wohl der angesagteste Laden des Tages gewesen sein. Die Schlange zum Einlaß war in beiden Straße elend lang und vor der Tür regelte eine Fachkraft die Begrenzung der Massen im Laden. Einer rechts, einer links und im Laden fast gähnende Leere. Da wurde der deutsche Regelungswahn vorgeführt. „Mach‘ ich Meister, ja Meister, ist Ordnungsverfügung von Amt, Strafe 350 Euro“. Eine Infektion mit Corona findet jedenfalls nicht im Laden statt. Ein Polizeifahrzeug stand am Hermannplatz, zur eigenen Sicherheit haben die lieber nicht in die Straße um die Ecke geschaut. Im Ramadan vor Sonnenuntergang das Einkaufsverhalten für gutes Essen mit „deutscher Gründlichkeit“ reglementieren zu wollen, ist keine gute Idee und daher: da ist das Ordnungsamt zuständig. An der Grenze von zwei Bezirken? Nee, die Kollegen machen lieber eine Runde um die Rathäuser. Lieb Vaterland, magst ruhig sein. Oder etwas neuer von Extremo, lieb Vaterland magst ruhig sein, ein jeder stirbt für sich allein.

Der Straßenverkehr auf der Sonnenallee staut sich auch, welch Wunder, die wichtige Hermannstraße ist seit Jahren Baustelle und nur in eine Richtung befahrbar. Es zieht sich hin, ich zweifel ob ich mich verlaufen habe und die Straße ob der vielen wartenden Kunden längst überquert habe. Eine Orientierung an dem Stadtplan an eine Bushaltestelle sagt mir: Hast‘ noch ein paar Querstraßen ab zu latschen, nach einer weiteren Pause. Das waren dann drei Apotheken, eine wird geschlossen. Da steht doch: der Apotheker geht in den wohlverdienten Ruhestand. Ob da der Herr Apotheker seine Ironie von „wohlverdient“ auslebt. Industriell gefertigte Chemie aus dem Regal über den Ladentisch zu opulenten Abgabepreisen geschoben ist echt mühsame anstrengende Arbeit. Alleine schon die Verantwortung, die zwar der Arzt trägt, wiegt schwer. Nun gut, einer weniger, es sind immer noch zu viele, die sich alle Lokalitäten in den teuersten Lagen leisten können. Die Gesundheit muß es dir wert sein.

Japperdappadoo, ich habe das Autole erreicht nach zwei Stunden und vierundvierzig Minuten, wie das Smartphone mit seiner Stoppuhr das protokolliert hat.

Reinhören: Gossenabitur.
Weißbrot mit Olivenöl und Zatar.

Abends klingelt es an der Tür. Pfleger K steht vor der Tür und er hat schottisches Bier mitgebracht.
Er trägt ein Merchandisingshirt von Knasterbart.
Die Biere waren alle lecker, mit dem Preis dafür wollte er nicht herausrücken. Es waren alles Eigenimporte eines Berliner Gastwirtes und preislich auf Gastronomieniveau. Da haben wir solidarisch das Bier in meiner Wohnung konsumiert.
Später offeriere ich zu Bildern und Videoclips vom Aufenthalt in Israel palästinensisches Frühstück.

3. Mai

Sonntagsruhe. Na ja, das schon lange geschobene Schreiben an die Krankenkasse fertig gemacht und zum Briefkasten getragen. Ich hasse es, alles doppelt zu machen, denn alle Unterlagen, die die anfordern, haben sie schon im Laufes des letzten Jahres bekommen. Das ist Beschäftigungstrategie, die nur darauf abzielt, den Antrag nicht zu bekommen. Mit der gleichen Intention „ihr wollt Beschäftigung“ schreibe ich in den Antragsvordruck „siehe Anlage“ und nicht die geforderten Einzelsummen mit Verweis auf die Anlage. Klar, ich soll auch die Krankenkassmitgliedsnummer, die Bankverbindung mit BIC und IBAN handschriftlich in den Antrag einfügen. Haben die alles vorliegen, wozu dieser Zirkus. Prakmatisch schreibe ich „wie Vorjahre“. Hampelmann kann ich gut. Was ich beantrage steht vorgedruckt und den Unterschriftskringel schaffe ich gerade so. Voraussetzungen erfüllt, sogar auf deren Vordruck, der gar nicht zur Voraussetzung gemacht werden kann. Als abschließende Krönung klammer ich alles zweifach zusammen, es soll nichts verloren gehen.

4. Mai

Heute kam ein Packet von Pearl, von vier bestellten Artikel nur zwei, die anderen werden zu zwei weiteren Terminen kommen. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Aber auch der Laptop läßt sich nicht einrichten und stürzt ab. Danach gibt nur das Logo von HP und ein Menue, mit dem ich nichts anfangen kann. Eine Anleitung how-to war ohnehin nicht dabei. Ich hatte schon vorher das Gefühl, da stimmt etwas nicht, das gibt nur Ärger. Aber wie kann das sein. Ich denke das kann Ärger geben und da ist er dann. Das muß ich zurück schicken.

5. Mai

Siehe da, das Retoure-Packet läßt sich an der DHL-Packetstation nicht einliefern, der Strichcode wird als fehlerhaft benannt. Also zurück nach Hause, den überdimensionierten Orginalkarton frische Luft gezeigt, der zur Hälfte mit Luftpolsterfüllmaterial und damit mit unsymetrischer Gewichtsverteilung gefüllt ist. Da es am Ausdruck, der auf dem Karton geklebt wurde, liegen kann, weil er nicht im entsprechenden Lesewinkel vor den Scanner gehalten wurde, noch zweimal in verschiedenen Größen ausgedruckt. Diesmal mit dem Auto zur der Packetstation gefahren, was sich als richtig darstellte, denn Annahmecomputer meinte: du kannst mir e amal.

Zurück und mein Parkplatz vor der Hausstür hat mir jemand weggenommen.