Im Maon HOD / auf’m Karmel

Im Maon HOD / auf’m Karmel

Im Maon HOD / auf’m Karmel

Das Maon HOD ist nicht ganz um die Ecke und so nehmen wir die Straßenbahn für eine Station, kostet sechs oder sieben Shekel an einem Automaten an der Haltestelle, denn danach geht es Mittelmeerhäfen üblich aufwärts per Pedes und das Wetter ist Haifa üblich – Nieselregen.

Das Wetter – spätestens seit der Flugbuchung habe ich es täglich im Blick. In Haifa dreht sich wie vor England ein Regengebiet nach dem anderen herein.

Nach ein, zwei Stationen müssen wir heraus, rechts abbiegen, dann einmal links und wieder rechts, immer etwas mit einer mehr oder weniger starken Steigung. Das ist nichts für mich. Die Entfernung kann man gut zu Fuß machen, wenn da nicht dieser Höhenunterschied wäre. Vor dem Eingang des mehrstöckigen Hauses stand eine Person, die auf mich den Eindruck eines Pförtners machte. Da wir im Schlepptau einer Beschäftigten waren, gingen wir mit einem Morgengruß vorbei und über eine wenig einladenen Treppe ins Souterrain, schwer verwinkelt war rechts ein Vorbereitungs- und Abstellraum. Eine jüngere Frau saß an der Querseite einer Kombination aus drei, vier zusammengestellten Tischen, die offensichtlich der Zusammenstellung von Materialien dienten, denn irgendwelcher Rest von Krempel befand sich noch auf ihnen. An den Wänden offene Regale mit Spielzeug, sowie therapeutischem Spiel- und Übungsmaterial, ein Sitzball nahm opulent Raum ein und das ganze sieht aus, wie es in fast jedem Jugendfreizeitheim im Ablageraum aussieht. Nach Gebrauch irgendwo scheinbar völlig ungeordnet abgestellt, unsicher übereinander gestapelt, manches in einem Karton zusammen geschüttet, halt alles Kreativ.
Nach einer kurzen Begrüßung der Abteilungsleiterin, die ohnehin in ihrer Tätigkeit befangen war, setzten wir uns uns und harrten der Dinge, bei denen wir die Tätigkeit von Volunteers dort kennenlernen sollten.

Souterrain bedeutet weniger gutes Tageslicht durch charakterische Fenster, die von außen knapp über der Oberfläche erschienen und mit geringer Höhe ihre Funktion erfüllen mußten. Da das öfters eher Schummerig erscheint, hatte der Raum eine klassische Neondoppellichtleiste mit der Lichtfarbe 25-Kaltlicht längst durch den Raum. Also insgesamt eine Motivation der Mitarbeiter zu flüchten und im Haus nach dem Rechten zu sehen.

S hat ein par Plastikkörbe mit Filzstiften und sonstigem Material zu Mal- und Bastelaktivitäten zusammengestellt, die wir in einen Saal mit Podium brachten. Tische und gestapelte Stühle standen an der Rückwand während die Längstseiten einmal eine Wand war, an der eine Rampe mit Geländer für Rollstühle entlang lief, auf der anderen Seite die Begrenzung des Raumes aus einem ganzflächig und mit Aluminiumstreben abgeteilten Fenster bestand.
Zur Vorbereitung der Veranstaltung wurde eine Tischreihe längst durch den Saal gestellt und mit einigen Stühlen versehen. Einigen bedeutet: dazwischen gab es immer wieder Platz für einen Rollstuhl. Was ein freundliches Zeichen ist.

Für den weiteren Verlauf habe ich mich für eine stille Beobachterrolle in einer hinteren Ecke entschieden.

Ähnlich wie eine Schulklasse strömen die Bewohner in den Saal und ob sie Vorgang kennen oder nur den langen Tisch mit den Stühlen als Ziel sehen. Zwei oder drei auf inviduellen Rollstühlen mit und ohne menschliche Schubkraft finden ihren Platz. Nach etwas Gewusel kehrt Ruhe ein und die Gruppe macht irgendetwas am Tisch. Ein, zwei haben allerdings anderes im Sinn und wollen durch den Ausgang, was eine Betreuerin zwingt sich vor die Saaltür zu setzen und diesen zu bewachen. Insgesamt zwanzig bis fünfundzwanzig behinderte Jugendliche werden so versucht zu aktivieren, Fähigkeiten mit etwas Spaß zu verbessern.

Nach mehr als einer guten Stunde verlassen wir die Gruppe und ziehen durch die anderen Funktionsräume. Im ersten Stock wird es heftiger, in einem verschwenkten Flur sitzen fünf, sechs jugendliche Personen mehr oder weniger unbeweglich. Der erste, ein Junge, starrt mich an. Merke ich doch und sehe zurück. Eine Betreuerin sitzt auf der anderen Seite und beschäftigt sich mit dem Daddelphone. Ich setzte mich neben sie und sie klärt mich auf, der Bub, sie sagte seinen Namen, aber der ist mir entfallen, der Bub kann das ganz lange. Mit der Zeit kamen mir Zweifel, ob er tatsächlich etwas sieht. Ich schwätze eine Weile mit der Betreuerin über „ich weiß nicht mehr was“ während S und L den Gang weiter entschwunden sind. Sie kommen wieder und wir sehen noch in ein paar Räume, in denen vereinzelt diejenigen sich im Bett aufhalten, die es nicht einmal auf den Flur geschafft haben. S erklärt dann auch „einige erhalten eine Medikation, die sie ruhig stellen“. Ob das nun Wirkung oder Nebenwirkung der Medikamente ist, kann dahingestellt bleiben, zumindest ist man froh nicht der Betroffene zu sein. Was für ein Glück im Leben man hat.

Eine Etage höher wird es erfreulicher. Aus dem Fahrstuhl strömt ein Gruppe von Bewohnern, vorneweg ein neun, zehnjähriges Mädchen. Bevor ich mich orientieren kann oder gar ausweichen, ist sie hinter mir, schiebt mich vor sich her und hat unbändigen Spaß dabei. Als Kind hatte ich das Eisenbahnspielen genannt, bei Erwachsenen ist das eine Polonaise und wie es das Mädchen nennt, bedarf noch der Ermittlung. Funktional ist es ein erfolgreicher Körperkontakt.

Wir kommen zu einem abgedunkelten Raum, der Aktivierungszimmer genannt wurde. Farbliche Akzente, die unter Schwarzlicht leuchten und passende Musik, in einer Ecke sitzt eine Betreuerin. Das wäre ein Job für mich, die Musik bringe ich mit, da habe ich einiges. Zum Beispiel Tangerine Dream oder Michael Rother. Die konkrete Funktion der hier angewandten Therapie wäre auch noch zu eruieren. Einem Berliner Freund, dem ich diesen Teil erzählte, fand auch Gefallen an so einem Job. Wie er dann noch die Parameter eines Volunteers vor Ort hörte, war er schon fast auf dem Weg.

Es geht noch auf die Dachterasse, die im Winter nicht genutzt wird, weil sie trotz Überdachung seitlich dem Wetter ausgesetzt ist. Wir ziehen ein paar gummierte Sitzgelegenheiten aus den Pfützen weiter in die Mitte und verlassen diesen heute ungemütlichen Ort.

Jetzt ist der Saal von der Gruppe geräumt und muß aufgeräumt werden. Es ist kaum zu glauben, was diese paar Hansel für einen Aufwand hinterlassen. Alleine die Kappen auf die Filzstifte einsammeln und auf die passenden Stifte zu stecken ist recht aufwendig. Die Dinger müssen einheitlich eingekauft werden damit der Versuch-und-Irrtum-Effekt entfällt. Zum Glück ist nur ein Puzzel dabei gewesen, die Einzelteile alle in einen Karton und fertig. Nun ja, es fanden sich dann immer noch welche, an anderen Tischen oder auch darunter. Die Tische wieder an die Rückwand und die Stühle daneben als Stapel. Der Saal sieht wieder aus wie vorher, also bereit für irgendwelche gymnastische Übungen, Tanzen oder Bühnenakrobatik mit Musik. Auf dem Podium stand jedenfalls eine kleine Lautsprecheranlage.

Es ging noch kurz in den (Streichel)zoo, die Hasen oder Kaninchen erkannte ich noch, der Bewohner eines Terrariums war nicht sichtbar und ansonsten sah es etwas dünn aus. Okay, S wurde erst nach unserem Besuch dort Domteur, das ist ihre Story.

Jooh, und wir haben unser Mittagessen verdient, aus der Küche des Hauses konnten wir uns die Teller vollschlagen.

Das Moan Hod als Einrichtung wollte ich vorstellen, jedoch die Fundstelle habe ich nicht auf die Schnelle wiedergefunden. Dort stand auch etwas von den Anforderungen an die Volunteers und etwas zum Fotografieren. Ich hatte vorher schon bewußt darauf verzichtet, da es eine diffizile Angelegenheit ist und man leicht fehlinterpretiert wird. Allgemeine Informationen für Volunteers in Israel insbesondere finanzielle Informationen findet man unter https://dienste-in-israel.org/volontariat-alle-infos/.

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