Allgemein

16. Juni – 30. Juni

C hat heute angerufen, ihr Auto ist in einer Werkstatt und die will 500 Euro für die Bremsen haben. Das erscheint ihr zu teuer. Was soll man dazu sagen? Ferndiagnose auf Kosten ohne den Auftrag zu kennen und auch sonst ohne Informationen geht nicht. Es soll auch noch ohne Rechnung gezahlt werden. Bei einer Rechnung im nächsten Monat würde sie vielleicht drei Prozent Umsatzsteuer sparen, das wird sofort bezweifelt: das kriege ich nicht.
Nee is nicht, du kannst der Werkstatt sagen: ich will eine Rechnung haben und die getauschten Altteile. Ohne zu wissen, was gemacht wurde und ob es notwendog war, gibt es keine Prognose.

Dann kam noch eine Show „ich bin ein doofes Weibchen“, wo ist denn die Bremse? Auf der linken Seite?

Kannst du nicht da anrufen? Nein, kann ich nicht. Normalerweise würde ich das begründen, halte ich hier jedoch nicht für notwendig. Egal, welcher Preis am Ende aufgerufen wird, er ist immer zu teuer, daran kann ich nichts ändern.

Die Kosten sind mir egal, da gibt es die Handwerkerschiedsstelle, die man anschließend befragen kann, vorausgesetzt man hat eine Rechnung.
Jedenfalls ein Auto, das alle zwei jahre fünfhundert Euro kostet, wo es nicht gefahren wird, ist zu teuer, sagt sie. Dann weg damit, wenn du einmal eines brauchst, nimmst du einen Leihwagen. Das ist natürlich leichter gesagt als auf dem Land einen Leihwagen aufzutreiben.

Bei der Gelegenheit geige ich ihr den Saug-Blas-Heinzelmann um die Ohren. Der Staubbeutel ist zu wechseln und nicht aufzuschneiden und entleeren, denn dann braucht man keinen Antibakteriellen mit Kohle-, Pollen- und Schönheitsfilter. Die Antwort ist „M sollte das doch tun, der hat das nicht gemacht“. Der kann und will das ebenso wie C nicht.
Dann noch den Motor angesprochen, sie kann einen neuen Motor besorgen oder den bestehenden reparieren lassen. Ich kann das nicht. Aber es ist billiger einen neuen Staubsauger zu kaufen. So höre ich jetzt die Geschichte, wie sie das Teil erworben hat. Sie ist nach der Trennung von H in einen Laden gegangen und die haben ihr den Tango verkauft, mit dem könne sie tanzen. Allerdings zweifel ich an der Geschichte, die geht nicht in ein lokales Fachgeschäft und kauft ein Gerät der oberen Preisklasse und überhaupt: was will sie mit einem Staubsauger? In ihrem Haushalt gibt es nicht einmal einen Wischlappen. Eventuelle Tröpfchen und Schmutz werden mit Küchen- oder Toilettenpapier aufgenommen, mehr ist nicht vorgesehen. Alles merkwürdige Geschichtchen.

So, mein Teil abgehakt. Auf die Frage vorbei zu kommen und wie es mit der Fahrt nach Lindau steht, kann ich nur sagen: ich habe mit M keine Vereinbarung getroffen, der muß erst seine Zähne in Ordnung bringen, das ist wichtiger. In der Tat sieht es nicht mit zwei mehr oder weniger großen Lücken im Frontzahnbereich gut aus. Es muß gemacht werden, weil sich das Gesicht durch den fehlenden Halt der restliche Zähne verändert.

17. Juni

Nachdem ich gestern den Saug-Blas-Heinzelmann selig gesprochen habe, habe ich versucht den Motor zu zerlegen, was mittels einer kleinen Hilfskonstruktion überraschend einfach gelang. Schwieriger war es die Kohlbürsten, die in einer recht langen Messingführung hausten, als Ersatzteil zu finden. Es gibt sie sogar, allerdings nicht von Miele, sondern von einem anderen mir unbekannten Staubsaugerhersteller. Da ich zunächst einen auf Miele spezialisierten Ersatzteillieferanten angeschrieben hatte, fand ich den anderen Lieferanten, da habe ich denn auch gleich bestellt. Ja, auch wenn zehn Euro für ein paar Kohlen kein Schnäppchen sind.

Es war wieder einmal fällig den grünen Sack zu entsorgen und zurück nahm ich den Fahrstuhl. Da kam dann der nächste Witz:

Die Grundfläche des Fahrstuhls beträgt 85 cm mal 105 cm. Das bedeutet: die genannte Maximalbelastung von vier Personen reduziert sich auf eine Person. Ganz oben wohnen Leute, die selten alleine unterwegs sind. Der Fahrstuhl ist auch nicht der schnellste, die Empfehlung werde ich wohl gelegentlich ignorieren und die Nachbarn verweisen auf die angeordneten Maßnahmen. Wenn sie die Luft bis zum zweiten Stock anhalten, können wir zusammen reisen. Schließlich habe ich den Altersbonus, die noch älteren wohnen Paterre und deren Verwandtschaft, die oben residierte, haben wir schon begraben.

18. Juni

Die Miele Ersatzteillieferanten haben geantwortet. Nummer eins ganz frech „die Kohlebürsten werden nicht einzeln hergestellt. Sie müssten den kompletten Motor bestellen.“

Dem mußte ich antworten: „dem ist nicht so, ich habe zwei Lieferanten gefunden, notfalls würde ich auch die Kohlen selber in die Führung einlöten, denn das sind Standardkohlen, die es bei Kohlebürstenherstellern gibt.“

Zur Erläuterung kommt jetzt: „Miele bietet die Kohlen nicht einzeln an.
Wir bieten nur die Produkte an, die Miele herstellt.“
Die Aussage stimmt sogar, denn Miele kauft den Motor nur ein, der ist auch in anderen Staubsaugern verbaut. Daher findet man die Kohlebürsten nicht unter dem Markennamen Miele.

19. Juni

Es ist die Zeit der Störche, man kann sie zur Zeit überall in Brandenburg bei ihren Nestern sehen. Da fällt mir das Märchen ein von den zwei Störchen, die Kalif Chasid und sein Großwesir Mansor aus Bagdad gewesen sein sollen. Ein Märchen für Söhne und Töchter gebildeter Stände von Wilhelm Hauff. Nur das Zauberwort will mir nicht in den Sinn kommen. So kann ich den Vögeln nicht helfen. Das muß ich noch einmal nachlesen.

20. juni

Die neuen Kohlbürsten sind mit der Messingführung zu kurz und vor allem die Kontaktfahne zur Anschlußbuchse ist zu kurz. Werden also die alten Führungen genutzt, dazu sind die Kohlen zu tauschen, deren Anschlüsse sind eingepreßt und nicht gelötet. Sie werden abgeschnitten und angelötet. Zuvor müssen sie auch noch verlängerte Anslußdrähte bekommen. Das ganze in der Feder, die den Kohlenabbrand kompensieren und den Kontakt zum Kollektor sicherstellen soll. Ich habe mir das anders vorgestellt, die Absicht hat sich relativ gut umsetzen lassen, bei der zweiten Kohle besser als bei der ersten.

Da müssen die Kohlebürsten das Gehäuse tauschen.

Das Motörchen ist wieder zusammengesetzt und harrt dem Einbau. Genug schmutzige Finger und vor allem habe ich mir den Finger verbrannt, weil ich den Lötkolben an der Heizpatrone anfassen wollte. Weil der Abstandhalter des Lötkolbens verlustig gegangen ist, wird er über die Tischkante gelegt, um nicht den Tisch nicht mit Brandflecken zu verzieren. Da hängt er dann schlecht beleuchtet. Verdammt …

Ein paar Stunden wurden mit einem neuen Videoschnittprogramm verbracht, das es für Unix, Mac und Windows gibt. Nur die Exportfunktion ist nicht freigeschaltet, wie soll man da die Leistungsfunktion bewerten. Nee, lahme Renderingroutinen kenne ich zur Genüge, das probiere ich erst garnicht. Die Anbieter sind auch auf dem Trip: laß die Interessenten erst einmal Arbeit in ein Projekt stecken, dann zahlen die leichter, weil sie ihre Mühen nicht verlieren wollen, denn das Schneiden der Videosequenzen geht mit der Deinstallation verloren. Alles umsonst bearbeitet.

Hinzu kommt der Versuch das Programm als jährliche Lizenz unters Volk zu bringen. Es gibt auch eine lebenslange Lizenz zum doppelten Preis. Aber das kenne ich von den Navigationsgeräten, die meinen nicht mein Leben, sondern das ihres Produktes und das ist nicht definiert.
Ich gebrauche es viel zu selten. Es wurde wieder deinstalliert. Zum Abschluß werde ich gefragt, warum mögen sie das Programm nicht und welches wollen sie stattdessen nutzen. Da antworte ich mit dem Muster „besseres und günstigeres gefunden“.

21. Juni

Mit dem Browser Firefox kann ich mich nicht mehr bei YouTube anmelden und vor allem bekomme ich wieder jede Werbung eingeblendet. Das will ich nicht. Das mit dem Anmelden geht nur noch im privaten Modus, die Werbung ist da auch omnipräsent. Nein, auf die Kanäle verzichte ich. Jedenfalls weitgehend bis ich das Problem wieder gelöst habe. Die wollen mich geistig fit halten, ja da mache mit.
Der Chrome-Browser kommt aus dem gleichen Stall wie Youtube, dem ist noch weniger zu trauen.
Erledigt, Brave blockt anscheinend die Werbeeinblendungen. Die Welt ist wieder in Ordnung.

Der Saug-Blas-Heinzelmann ist zusammengeschraubt und saugt wieder. Am Anfang machten die neuen Kohlen etwas Dampf, nachdem sie sich auf die vorherigen Nutzungspuren eingeschliffen haben, gibt es nichts mehr zu meckern. Nun ja, die Saugdruckanzeige bewegt sich nicht, die Saugleistung ist da und wurde mittels Läppchen über der Ansaugöffnung kontrolliert. Ach, wo bläst er denn? Das ist kein Saug-Blas-Heinzelmann vom Vorwärts immer, nur ein ordinärer Sauger.

22. Juni

Am Wochenende wurden die deutschen Politiker von ihrer Ignoranz überrascht indem in Stuttgart eine polizeiliche Drogenkontrolle eines Jugendlichen zu einer extensiven Straßenschlacht führte. Das in Baden-Württemberg, welches zu den begüterten Bundesländern gehört und an Bayern grenzt. Was macht der aus Bayern stammende Innenminister der Bundesrepublik? Er fordert härtere Strafen und ist schockiert. Das ist zu nah an Ingolstadt, wo sein Hauptwohnsitz ist. Hilflos fällt ihm nichts anderes ein, wie konnte das passieren? Bestimmt hat die TAZ-Zeitung ihre Hände im Spiel, schrieb da doch einer „unsere Polizei(strukturen) gehören auf den Müll“. Und zack offenbart er sein Denken: zuerst Dienstherr, besser seine Herrschaft und extrem nachrangig und unbedeutend Diener des Staates. Es gibt zwei Arten von Bürgern, die einen sind Polizisten und die anderen.

Nachtrag: Der Innenminister hat für seine Show einen beschädigten Streifenwagen für seine Fernsehbilder eigens positionieren lassen, quasi eine Szene komponiert. Das Nachklappgeschepper macht Walulis. (https://www.youtube.com/watch?v=DSLQ13F13rg)

Dabei sehen nur Blinde nichts, alle anderen brauchen nur eine Polizeistation, ein Gericht betreten um zu erkennen: hier ändert sich etwas. Die Regierenden erwarten das Bezweifeln ihrer Legitimation und ihrer Akzeptanz bis hin zu Aufstandshandlungen. Wenn sich die Staatsdiener verschanzen müssen, dann sind es keine Staatsdiener mehr. Sie müssen sich nicht wegen irgendwelchen Angriffen verschanzen, sie machen das, weil sie ihre Handlungen selber als widerrechtlich und nicht akzeptabel einschätzen. Dazu paßt die weitere Aufrüstung der Polizei mit Panzerwagen und ähnlichen Errungenschaften. Der „Adel“ wird nicht freiwillig abtreten. Wer da noch an eine heile Welt glaubt, dem ist nicht zu helfen.

23. Juni

I kam vorbei mit einer schlechten und einer guten Nachricht, wie er es sagte. Die schlechte war ein Schreiben des Inkassodienstes der S-Bahn, dessen Annahme er verweigert hat und zur Post zurück gebracht hat und nebenbei der Tod des Bruders eines Freundes in Griechenland, den Freund, seine Frau und seine Tochter habe ich vor Ort kennen gelernt, aber dessen Bruder? Die gute Nachricht war eine Lohnerhöhung von mehreren hundert Euro. Er wollte nun wissen, was ihm davon bleiben wird. Den Nettozahlungsbetrag kann man im Internet leicht ermitteln. Es kommen allerdings Nebenwirkungen hinzu. Das fängt mit den Kosten für die BVG-Karte von monatlich neunzig Euro an, geht über die nun wieder fällig werdende GEZ-Kosten weiter und den Einfluß auf das Verfahren mit der S-Bahn ist nicht abschätzbar. Den S-Bahnstreit möchte er ja gern abgehakt sehen, das wird allerdings mit der Annahmeverweigerung des Briefes nicht erreichen. Und strategisch ist es auch falsch den Gegner Informationen zu liefern. Die Annahmeverweigerung ist eine Information, die das Verfahren beschleunigen könnte, was nicht in seinem Interesse sein sollte, weil sein Gehalt nur zeitlich begrenzt gezahlt wird und er anschließend wieder im Hartz vier Bezug sein wird.

Die BVG wollte vor Jahr und Tag ein erhöhtes Beförderungsentgelt von mir erhalten und hat drei jahre lang regelmäßig über ein Inkassounternehmen mich angeschrieben. Da niemals Rückporto beilag, verzichtete ich auf jegliche Antwort. Im letzten Augenblick vor dem Eintritt der Verjährung erfolgte der Mahnbescheid, gegen den Widerspruch eingelegt wurde. Im folgenden Gerichtsverfahren legte ich erstmals meine Sicht der Lage und die Beweise dafür dar. Ein römischer Rechtssatz, der heute gültig ist: falsa demonstratio non facit, dessen Übersetzung in verständlcihes Deutsch lautet: „Eine falsche Bezeichnung des Fahrscheines hat keinen Einfluß auf das abgeschlossene Gechäft.“ Die Stellungnahme des Rechtsanwalts dazu war: ist egal, das Gericht soll mich zur Zahlung verurteilen. Kurz vor dem Gerichtstermin wurde die Klage zurückgenommen.

Is Interesse müßte dahin gehen, das Verfahren bis dahin zu ziehen, denn dann können die einen Gerichtstitel an die Wand nageln, Geld bekommen sie keines im Falle einer negativen Gerichtsentscheidung, aber dazwischen steht noch das Gericht und die konkrete Ausgestaltung ist rechtlich noch nie entschieden worden. Das Risiko geht die S-Bahn-Berlin-GmbH ein. Eine Feststellung, das ihre Forderung nur reduziert Bestand hat, dürfte ihnen nicht gefallen, da sie heute noch anders agieren und erhöhtes Beförderungsentgelt ungerechtfertigt generieren.

Nun, die nächsten Schritte des Inkassodienstes könnte die Beantragung eines Mahnbescheides sein, auf den reagiert werden muß, was ich ihm deutlich angekündigt habe. Insbesondere das jetzt von seinen Arbeitskollgen gelernte Verweigern der Annahme des Schreibens funktioniert nicht.

25. Juni

Gerade wollte ich eine to-do-liste anlegen, stattdessen habe ich die drei mails gleich geschrieben.

Der rechte Kollege kann seinen Helm nicht sichern.
Eine echte Corona-Version gibt es (noch) nicht.

26. Juni

Heute habe ich von einem Bauvorhaben hier um die Ecke erfahren. Auf dem Gelände, wo Pit-Stop an der Martin-Luther-Straße in einer eingeschoßigen ehemaligen Tankstelle residiert, soll die gesamte Fläche mit einem elfgeschossigen Haus bebaut werden. Das ist ein Plan der Architekten das maximal zur Zeit mögliche an Baumasse und Grundstücksausnutzung aus der Bebauung herauszuholen. Weil der jetzige Zustand eine weitgehende Versiegelung hat, machen sie den Rest auch noch platt. Aber mit Schmackes, die Grundfläche wird komplett überbaut. Das wird eine Geschoßflächenzahl von 9,9 und so etwas ist in Berlin doch recht selten. Der entsprechende Verwaltungsvorgang Vorhabenbezogener Bebauungsplan 7-93 VE „Barbarossadreieck“ ist ein reines Verkaufsprodukt. Es wird die schöne neue Welt beschönigt. Da wird doch keiner aufmucken. Die Bäume in der Seitenstraße sind im ausgewachsenen Zustand und in ihrer Maximalhöhe. In der Zeichnung stehen hinter dem Gebäude Prachtexemplare von Architektenbäumen mit einer mehrfachen Höhe. Die Fassade soll begrünt werden, was nur bei zusätzlichen Obergeschossen möglich erscheint. Vielleicht ist es nur Fassadenfarbe.

Rechts im Bild die speziellen Architektenbäume.

Auf der Titelseite des Bauantrags klotzen die Interessenten von der anderen Seite. Nur, wenn das Gebäude realisiert wird, ist kein Platz für irgendwelche Bäume mehr da.

Platz für Straßengrün ist bei diesem Bauvorhaben nicht vorgesehen. Für eine richtige Pyramide wird der Bauherr sicherlich noch zwei Obergeschosse spendieren.

Informationen wie sich die Bezirksverordneten dazu verhalten habe ich nicht.
Unterlagen zu der geplanten Maßnahme und Möglichkeit zur Stellungnahme bis zum 8.7.2020 unter:
https://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung/aemter/stadtentwicklungsamt/stadtplanung/bebauungsplan-fuer-meinberlin/bebauungsplan.939117.php

27. Juni

Wieder ein Tag an dem nichts geschafft wurde. Obwohl bestes Sommerwetter ist habe ich um elf Uhr gefrühstückt. Anschließend die Blümkes und die, die es erst noch werden wollen, mit Wasser versorgt. Die saufen unbotmäßig, cirka fünfzehn Liter verschwinden in den drei Behältern. Es war recht warm auf dem Balkon also Siesta gemacht. Siesta mußte unterbrochen werden, mein Körper signalisierte Unterzucker. Das ist Zeit für Schokolade, damit die mit einem selbstgemachten Köfte, die sind nicht so wie gewünscht geworden, wirken kann, das Bett aufgesucht. Da war der Tag fast schon vorbei, jedenfalls lohnte es sich nicht mehr, das Werkzeug zu greifen und herunter zum Radl zu gehen. Vielleicht morgen, aber da soll es Gewitter geben. Schau’n wir einmal, warten wir den Sonnenaufgang ab, bei Kerzenlicht und Kristallweizen.

Nun, es ist ein milder Abend und der griechische Salat mundet exquisit. Ob ich mir ’nen Retsina aufmache? Nee, es gibt nur noch europäisch-flach geharzte Weine. Da schlabber ich mir einen oder zwei Ouzo. Das Leben ist zu kurz für schlechten Wein. Das hat mir Stavros anno dingens gesagt und von Retsina abgeraten, das war angesichts des offerierten Weines gut. Wußte ich vorher natürlich nicht, aber gibt in Thessaloniki auch guten Retsina? Zu Dimis Studienzeiten ja, die sind jedoch Vergangenheit. Im Supermarket um die Ecke nicht, wo ich das Angebot ‚rauf und ‚runter probiert habe.

Retsina am römischen Markt in Thessaloniki.

Da fällt mir ein: in Anastasia muß noch eine Flasche stehen, da ist mir die Zeit damals davon gelaufen und im Januar Dimitrios. Ich sollte mit Ilias verhandeln, dem Erben. Nachteil ist allerdings: das Dorf liegt abseits von touristischen Hotspots und das ist bedeutsam für so vieles. Selbst die einzigste Taverna im Dorf ist schon lange geschlossen.

28. Juni

Biomüll heruntergebracht und Geld gefunden.

In bin jetzt reich, umgerechnet 16 EuroCent, dafür bekomme ich ein halbes Brötchen beim Bäcker, also nichts. Ich sag es euch, Reichtum ist nicht alles.

29. Juni

Nachdem meine Motoradwerkstatt meinen Termin abgesagt hat, weil Kollega sich einen Leistenbruch genehmigt hat, stand zunächst den alternativen empfohlenen Schrauber in der Classic-Remise-Berlin kennen zu lernen auf dem Programm. Da die Vermarktung der Remise mir etwas zu luxuriös und teuer erschien, habe ich mir die Bastellösung als zweite Option vorgestellt. Die ich doch zumindest näher begutachten sollte. Die kochen auch nur mit Wasser und das kann ich auch.

Rein zufällig stand der rechte Zylinder auf der Kennzeichnung D am Zahnkranz in der Position am Schaufenster. Besser kann es nicht kommen. Laut Werkstatthandbuch ist das die Position für 0-2 Grad vor dem oberen Totpunkt, genau richtig für den Einbau des neuen Zündgebers.

Die Schwierigkeiten begannen erst später. Der elektrische Anlasser ließ sich nicht ausbauen, er stieß an einem Signalgeber für irgendetwas an und an die Schrauben dafür kam man auch nicht heran. Ob der Ausbau der Ganghebelmechanik etwas brachte war fraglich, jedenfalls hatte ich dazu keine Lust. Den nächsten Arbeistschritt die Mutter auf der Kurbelwelle ließ sich ohne Fixierung derselben nicht lösen. Die Operation wurde abgebrochen und alles in den Ursprungszustand versetzt. Bis auf die Demontage des neuen Hallsignalgebers, bei dem man fast nichts falsch machen kann. Der blieb an Ort und Stelle.

Nach dem Wirken des Scheiterns und schon fast den Kollega Remise anrufen wollens, steht die Herausforderung wieder im Vordergrund. Der kann auch nur mit Wasser kochen. Gut, ich habe weniger Erfahrung, das kostet mehr Zeit, die ich habe. Morgen ist ein neuer Tag, da werde ich es in Angriff nehmen. Jetzt erst Recht.

In der Nacht werde ich so richtig munter und auf YT wird mir ein Video vom Testen der ersten Klasse bei Quatar Airlines angeboten. Die Erfahrung fehlt mir noch. Das Geld dafür auch. Anschließend zieh ich mir noch den Jahreswechsel 2020 auf dem Flug nach Seoul rein. Dann folgt das Schreiben hier und Muke von Goran Bregovic. Die Flasche Wein geht dem Ende zu, da kann ich ins Bett gehen.

30. Juni

Die Bastelgeschichte geht nicht weiter. Ich habe zwar nachgesehen, wie der Ganghebel befestigt ist, da ist mir in Erinnerung gekommen, wie ich die Mutter, die ich unterwegs ersetzen mußte, mit Kleber gesichert habe. Das gibt sicherlich Probleme und deshalb wurde die Operation erst einmal auf später verschoben.